Die Inta Mora Zeichnungen
ein Rückblick auf eine zeichnerische Begebenheit aus dem Jahre 1996
von Hans Wagner
Im Jahre 1996 begann ich mit einer Reihe von Zeichnungen die ich die "Inta Mora" Bilder nannte. Zwei Monate lang griff ich am frühen Morgen, gleich nach dem Aufwachen zwischen 4. und 5. Uhr, nach dem Zeichenstift oder nach Pinsel und Tuscheglas. Gerade aufgewacht, der Geist noch ruhig und klar, der Intellekt fast abgeschaltet, entstand so jeden Morgen eine Zeichnung. An jeder dieser Zeichnungen arbeitete ich nicht länger als maximal 15. Minuten.
Was anfangs ähnlich wie automatisches Schreiben begann, indem sich seltsam mir Unbekannte Schriftsymbole ständig wiederholten, die zweifelsfrei aus den Tiefen meines Unbewussten hervorquollen, ging im Laufe einiger Tage in abstraktes, am Ende der Zeichenreihe in leicht Gegenständliches Zeichnen über. Heute, also 13. Jahre später, fand ich diese Arbeiten, die ich in einer Mappe aufbewahrte wieder. Sie waren damals in meinem Waldatelier hinter einen Schrank abgerutscht, beim entfernen dieses Möbelstücks kamen diese Zeichnungen wieder zum Vorschein. Alles was ich über diese Reihe von "Inta Mora" noch besaß, waren schriftliche Aufzeichnungen in meinen Tagebüchern aus dem Jahre 1996.
Nun liegen Tagebücher als auch die wieder gefundenen Zeichnungen vor mir und es ist mir Heute wie damals nicht ganz möglich sie zu analysieren. Auch weiß ich bis Heute nicht wie ich auf das Wort Inta Mora kam. Wenn ich nun jene Seiten in den Tagebüchern von 1996 aufschlage, in denen niedergeschrieben steht, was ich zu dieser Zeit, an künstlerischer Arbeit tat und niederschrieb, fällt als erstes ein Gedicht vom 1.11. 1996 in mein Blickfeld.
Inta Mora
Ich falle falle falle
in die Tiefe
schwarze Punkte
Die Ahnung verbirgt die Farbe
Ich denke Farbe
ein Knall Urknall
Spiralen von Farben
orientalische Muster
fliegende Teppiche
Muster darauf
vorbeisausend
mit einem Geräusch
wie sie Düsenjäger
verursachen
Der rote Punkt wird Grün
Schwarz übertönt grünes Wasser
Das Rauschen Ozeaniens die Kindheit im Himbeerbusch der Knabe eine Tollkirsche kauend
Chiquita et Sita
Malen oder Schreiben
das Leben
ein fiktiver Traum
Wahrheit der Gene
Gegenständlichkeit ist anerzogen
wie könnte sie sonst verschwinden
hinter
Inter Mora. H.W. 1.11.1996
Gleich neben diesem Gedicht eine Notiz: "Ich baue das Werk auf, fotografiere es, dann soll es die Zeit, zergehen lassen." 8.11.1996 H.W.
Eine weitere Notiz zu den Zeichnungen vom 21. 10. 1996 ist folgende: "Wenn der Künstler für sein Anliegen, keinen Gesprächspartner hat, spricht er zu sich selbst..." Habe ich über diese Arbeiten zu mir selbst gesprochen? Ich halte es für möglich! Ein paar Seiten vorher am 8.10. 1996 schrieb ich: "...vielleicht gibt mir die Zeichnung die Möglichkeit, für mein lyrisches Werk eine ausdrucksstärkere Sprache zu finden." Daneben ein Zitat von Antonio Tapies: ...denn Malerei ist totale Schöpfung und nichts als sie selbst und sie beginnt dort, wo die Worte das Spiel aufgeben..."
Wenn ich nun, die vor mir liegenden Zeichnungen betrachte, weiß ich sie sind weit entfernt von Vollendung, aber sie haben die Aura von geballter Energie. In ihnen spüre ich, den mir bekannten Ausdruck von Übung und Unbekannten, eben von Kunst im Experiment. Ich glaube um das eigene Werk zu kennen, muss es erst für einige Zeit vom Mantel der Zeit verschlungen werden.