Freitag, 15. Februar 2013

Nationalpark Rheinland Pfalz - Leserbrief

Anscheinend tut sich etwas in Sachen Nationalpark in Rheinland – Pfalz. Nachdem sich die Aufgeregtheit in der Bevölkerung gegenüber dem vergangenen Jahr etwas gelegt hat, legt nun die Landesregierung ein „Eckpunktepapier“ vor. Der Bart der der Nationalparkdiskussion inzwischen gewachsen ist muss ja nicht noch länger werden. Hauptsache ein solcher Park kommt, denn es gibt gewichtige Gründe dafür. Nicht nur ökologische sondern auch bildungspolitische und vor allem nachhaltige. Schließlich gibt es ja auch so etwas wie einen „Bildungsauftrag Waldpädagogik“. Und wo könnte man so etwas besser verwirklichen als in einem Nationalpark, der ja letztendlich ein riesiges „grünes Klassenzimmer“ sein kann. Wo lässt sich die Natur besser studieren als in einem Waldschutzgebiet, in dem ganz anders als im Wirtschaftswald noch wirkliche Naturzonen existieren in dem nicht nur Reife sondern auch Zerfallsphasen zugelassen sind.
In der Zeitschrift „Nationalpark“ schrieb vor einiger Zeit Bernd Lötsch, der Direktor des Naturhistorischen Museums in Wien über die Natur: „Ihr Wert wächst ins unermessliche so wie sie schwindet“. Er meinte damit, dass Nationalparks nicht nur „Biotope“ sondern vor allem „Psychotope“ sind. Wo kann sich der Mensch besser regenerieren als in der Natur? Der Kontakt mit schöner, geheimnisvoller Natur wurde für den Menschen in einer entzauberten, technischen Ersatzwelt zur „unersetzlichen Seelennahrung“, zum „Vitamin für das Gemüt“. Nationalparklandschaften trügen dazu bei, unsere „seelische Hungersnot“ unseren „Naturverlustschock“ zu lindern. Und nach dem Osnabrücker Professor für Landschaftsarchitektur Herbert Zucchi ist „Wildnis heute eine Kulturaufgabe“.
Dass sich unter den Skeptikern und Gegnern eines Nationalparks in Rheinland – Pfalz neben den Vertretern der Holzbranche auch zahlreiche Forstleute befinden, bei denen die Aussicht auf zu starken Nutzungsverzicht und Aufgabe von Teilen der Waldwirtschaft heftige Abwehrreflexe hervorruft, ist angesichts zunehmender Holzknappheit und steigender Holzpreise nachvollziehbar. Vor allem für den „kleinen Brennholzwerber“ wird das Holz dann vielleicht knapp, was allerdings ökologisch durchdacht werden muss. Doch für dieses Klientel des Forstes scheint die Landesregierung in ihrem „Eckpunktepapier“ Vorsorge zu zeigen. Anscheinend will man es mal wieder jedem Recht machen, was in Rheinland – Pfalz allerdings höchst selten gelingt.
Im Vordergrund sollte aber vor allem der Gedanke der Nachhaltigkeit, Biodiversität und biologischer Vielfalt stehen. Dabei geht es um mehr als reinen Artenschutz. Es geht dabei um einen Beitrag der Erhaltung der vielfältigen, natürlichen und naturnahen Lebensräume. Ein solcher Erhalt wird letztendlich auch zur Existenzfrage für uns Menschen. Daher hoffen viele, dass der Nationalpark bald kommt.
Den Rheinland – Pfälzern dürfte der Gedanke des Nationalparks übrigens gar nicht so fremd sein. Es war kein geringerer als der Kulturhistoriker Wilhelm Heinrich Riehl der vor langer Zeit schon schrieb:...Jahrhunderte lang war es eine Sache des Fortschritts, das Recht des Feldes einseitig zu vertreten; jetzt ist es dagegen auch eine Sache des Fortschritts, das Recht der Wildnis zu vertreten“. 
hukwa

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