Mittwoch, 10. August 2016

August Elegie

Süße Ruh', süßer Taumel im Gras,
Von des Krautes Arome umhaucht,
Tiefe Flut, tief tief trunkne Flut,
Wenn die Wolk' am Azure verraucht,
Wenn aufs müde, schwimmende Haupt
Süßes Lachen gaukelt herab,
Liebe Stimme säuselt und träuft
Wie die Lindenblüt' auf ein Grab
.
Anette von Droste-Hülshoff

Die Sonnenblumen brennen in leuchtendem Gelb und es scheint, als träufelt lichtheller Staub von ihren Flammenrändern über die prallgefüllten grünen Blätter.
Die Malven strahlen und der Rittersporn hat die Farbe des Himmels angenommen. Noch blühen die wilden Rosen, doch der Himmel ist schon ein wenig blasser geworden. Die jungen Schwalben beleben die Lüfte und einsam zieht ein Bussard am Horizont seine kunstvollen Kreise.
Noch erklingt im Schilf die Flöte des Pan und die Astern künden vom nahenden Herbst. Die Augustsonne schenkt uns noch einmal wundervolle Sommertage. Im Wald ist es nun stiller geworden. Über dem Waldteich tanzen die Libellen und im dichten Schilf klettert einsam der Schilfrohrsänger. Eine seltsame Stimmung sucht den Wanderer in solchen Stunden heim. Die Zeit scheint still zu stehen sogar bei den Zitterpappeln ist keine Bewegung zu erkennen.
Augusttage - die große Blüte neigt sich langsam ihrem Ende zu. Manche Pflanzen erscheinen nun wie zerbrechliche Wesen, deren Körper der Zeit verfallen sind. In diesem Sinne sind sie ein Gleichnis für den Menschen. Natur–so wie sie sich uns offenbart, ist immer „geheimnisvoll–offenbar“ wie Goethe es ausdrückte. Sie trägt in sich etwas unlösbar–rätselhaftes was in uns Menschen tiefe Empfindungen auslösen kann. Etwas „andersweltliches–jenseitiges“ scheint sie im August auszuströmen.
Fotos ©Ute Knieriemen-Wagner






Je tiefer wir nun in die Natur eindringen, desto rätselhafter wird sie uns.
Die Bäume scheinen ein tiefes Schweigen auszuströmen und die Worte des großen Beethoven kommen dem Wanderer in den Sinn wenn er in diesem Monat unter ihnen verweilt: „Auf dem Lande ist es, als würde jeder Baum „heilig“, „heilig“ zu mir sagen! Wer kann jemals die Verzückung der Wälder ausdrücken?“
Die Zugvögel werden unruhig, bald beginnt die große Reise, die Mauersegler sind schon fortgezogen sind sie doch die ersten, die sich auf die große Wanderung begeben. Auch Kuckuck und Pirol gehören zu den frühen Reisenden.
Der ganze Sommer ist ein einziger Strom des Werdens, doch nur im August mischt sich die Wehmut des Vergehens hinein.
Noch einmal nehmen wir ihn in uns auf–den Sommer, in seiner ganzen Fülle und Kraft, aber auch in seiner Vergänglichkeit. Was wir wirklich wissen über diesen Monat August ist, dass er noch einmal das ganze Feuer des Sommers ausstrahlt, jedes Jahr wird er es wieder tun, wird wieder seine Elegie singen, selbst wenn wir und unsere Werke lang schon vergangen sind. 
hukwa 

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