Freitag, 23. September 2016

Die Magie des Erinnerns


Wir alle sind Wanderer, denn was ist das Leben anderes als eine große Wanderung? Hat der Wanderer die Mitte seines Lebens überschritten, so wendet er sich oft zurück, die alte Fährte lesend, die er in seinem Leben gezogen hat, seine Jahresringe schauend.
Als bald befindet er sich in Marcel Prousts Paradies und sucht nach seiner eigenen „verlorenen Zeit“, wissend, dass dies das einzige Paradies ist, aus dem ihn niemand vertreiben kann. Erinnerung bedeutet, die Gegenwart durch die Vergangenheit neu zu beleben. Sie ist eine Welt die neben der unsrigen existiert.
Die Phantome die während des Erinnerns auftauchen werden dem der sich erinnert, zu Zeitgenossen.
Es kann ein Baum, ein Gebäude, Musik oder irgend ein Gegenstand sein oder eine heiße „Tasse Schokolade“. So dass sich jene Magie über uns entfaltet, die den Schleier der Vergangenheit lüftet. Mit den Worten Prousts gesprochen ist Erinnern:..“die Größe der wahren Kunst im Gegenteil... lag darin beschlossen, jene Wirklichkeit, von der wir so weit entfernt leben, wiederzufinden, wieder zu erfassen und uns bekannt zu geben, die Wirklichkeit von der wir uns immer mehr entfernen, je mehr die konventionelle Kenntnis, die wir an ihre Stelle setzen, an Dichte und Undurchdringlichkeit gewinnt, jene Wirklichkeit, deren wahre Kenntnis wir vielleicht bis zu unserem Tode versäumen und die doch ganz einfach unser Leben ist. Das wahre Leben, das endlich entdeckte und aufgehellte...“
Dies gilt nicht nur für Proust, es gilt für alle die sich aufmachen zu einer Wanderung in die eigene „verlorene Zeit“. Jeder trägt in sich die Epoche in der er lebt und jeder muss Teile seiner Erinnerung zeitweilig verlieren um weiter wandern zu können, doch irgendwann kommt die Zeit, da die Erinnerung uns einholt und dann sollten wir uns, wie Proust es getan hat, dieser Erinnerung stellen. 
hukwa

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