Sonntag, 6. November 2022

Der Bauer und sein altes Pferd

 Nichts löst so starke Erinnerungen aus als jene an die Landschaft der Kindheit. 
hukwa 
Ich habe ihn nie in einem Anzug gesehen, den alten Bauer aus meinen Kindheitstagen. Immer hatte er Strohhalme im Haar und das Hemd hing im Sommer voller Heublumen. Er war ein kleiner Bauer mit wenigen Feldern und Wiesen und einem wunderschönen braunen Arbeitspferd, mit dem ich früh schon Freundschaft schloss. Wenn er im Sommer das Heu nach Hause fuhr durfte ich hoch oben auf dem Fuhrwerk sitzen. Das Heu war mit der Gabel einfach auf den Wagen geworfen. Ich glaube heute denkt keiner mehr an den alten Bauer und sein Pferd und doch ist er fest veranker im Ortsgedächtnis meines Heimatdorfes. Doch niemand kann dieses Ortsgedächtnis noch abrufen. 
Sein Tagwerk, seine Jahreszeiten, seine Hoffnungen und seine Ängste, der ganze Mensch in seinem wurzelhaften Bauerntum, der täglich mit bedächtigen Schritten durch seine Wiesen und Felder strich, ist Teil meiner eigenen Geschichtlichkeit. Früh sah ich ihn im Frühling am Morgen das Korn in den Acker werfen. Da gab es keine Maschinen, keinen Traktor nur sein geliebtes Arbeitspferd. Im Stall stand neben der Kuh eine Ziege. Ein schwein gab es noch und Hühner. Geld war nicht besonders wichtig. Kostbarer war die innere Verbundenheit mit den Elementen der Natur. Wenn ich damals in meiner kindlichen Sprache zu ihm redete, spürte ich das Seine gedanken immer bei seinem bäuerlichen Tagwerk waren. Heute weiß ich das jene Kindheitserinnerungen an den Bauer und sein altes Pferd für mein Leben sehr prägend waren. 
hukwa