Donnerstag, 6. April 2023

Hegel und der Taoismus oder die Aufhebung des Moments

 

Hegel hat geschickt den geschichtlichen Verlauf der Philosophie bis zu seinem eigenen Lehrgebäude entwickelt. Seine Theorie von den aufgehobenen Momenten, finden sich auch im Buddhismus, denn die Entfaltung höherer geistiger Zustände wird erst durch die Tilgung der niederen möglich.

Hierin findet man die Behauptung das jenes höchste Bewusstsein (Absolute) nur durch Überwindung der anderen Erfahrungs- und Erkenntnisweisen sich gewinnen lässt, und zum anderen, das diese weisen nur für bestimmte Stufen gültig sind.

Es gibt ein unbedingtes, allumfassendes, unaussprechliches Wissen im Buddhismus, Taoismus und auch bei Hegel.

Nach Hegel wird ein „ideenloses Auge niemals die Ideen...finden können“. Man könnte  Hegels Werk als „zirkulares Werk“ bezeichnen, dessen Ende bereits im Anfang enthalten ist. Eine östliche Weisheit lehrt: „Nimm das letzte Ding in deiner Absicht für das erste Ding in deinen Grundsätzen“.

Über diese Verwandtschaft des östlichen und des westlichen Absoluten hat Hegel schon im Jahre 1816 in Heidelberg fachkundig gelesen. Natürlich stammten seine Kenntnisse aus zweiter Hand,  aus den Übersetzungen der Jesuiten, dennoch war er auf dem Gebiet des Taoismus und Buddhismus für seine Zeit bestens informiert. So findet sich in seinen Vorlesungen folgender Abschnitt:

Die Hauptschrift von ihm (Lao Tzu) haben wir noch,und in Wien ist sie übersetzt worden; ich habe sie selbst gesehen. Eine Hauptstelle ist besonders häufig ausgezogen: „Ohne Namen ist Tao das Prinzip des Himmels und der Erde;mit dem Namen ist es die Mutter des Universums (aller Dinge).

...Das Höchste, das Letzte,das Ursprüngliche,das erste, der Ursprung aller Dinge ist das Nichts, das Leere, das ganz unbestimmte (das abstrakte Allgemeine); es wird auch Tao genannt“.

In dieser Vorlesung vergleicht Hegel den chinesischen Taoismus mit dem griechischen Denken:

Wenn die Griechen sagen, das Absolute ist das Eine, - oder die Neueren, es ist das höchste Wesen: so sind auch hier alle Bestimmungen getilgt; und mit dem bloßen abstrakten Wesen hat man nichts, als diese selbe Negation, nur affirmativ ausgesprochen.“

(Hegel: Vorlesungen über die Geschichte der Philosophie, Berlin 1833, Bd.1, S.144)

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