Donnerstag, 20. November 2014

Mein Weg zum Künstler

Auszug aus einem größeren Manuskript

Meine Wanderungen durch das Reich der Mythologie sind ja letztendlich nichts anderes als eine Fahrt durch meine eigene Seelengeschichte. Was da aus dem Unbewussten hervor quillt und durch Farbe und Pinsel Ausdruck bekommt, wenn manchmal auch hinter Hadesnebeln verborgen, sind Symbole und Elemente die der äußeren Welt und dem empirischen nicht mehr entsprechen. Es sind Erscheinungen und Symbole meines Unbewussten, meiner Seele, hervorgeholt durch kreative Imagination. Schon als Kind spürte ich eine große Verbindung zum Unbekannten – das Unbewusste war mir damals als Begriff noch nicht bekannt. Durch diese „Verbindung“ ist wohl auch jene Wurzel in mir gewachsen, die mein Leben als Künstler bis Heute geprägt hat. Es war mir von Anfang an verstellt ein Standbein im bürgerlichen Leben zu fassen, Künstlertum und Bürgertum, das sind eben zwei verschiedene Welten.
Heute bin ich davon überzeugt das ich schon damals, alle Entscheidungen die ich traf in Verbindung mit meinem Unbewussten getroffen habe. Als ich begann in späteren Jahren intensiv die Symbolik
Meines Unbewussten aufzuzeichnen – aufzumalen, waren es die „Immerwiederkehrenden“ die mich hier zu aufforderten. Hätte ich sie nicht gemalt wäre ich ganz in ihren Bann geraten und mein Leben wäre vielleicht außer Kontrolle geraten. In dem ich sie malte oder auch in hermetische Gedichte fasste bannte ich meine Dämonen. Letztendlich habe ich sie ja durch meine Beschäftigung und Verbindung zu meinem Unbewussten selbst gerufen.
Es gibt Tage, so einer wie heute, da renne ich regelrecht zwischen Schreibtisch und Maltisch hin und her. Während des Malaktes ist das unbewusste besonders Energiehaft in mir. Da kommt es vor das ich während des Malens besonders stark fließen, dann wollen sie auch in Schreibworte gefasst sein. So stehen in meinem Atelier das ich selbst als Oratorium bezeichne, Schreibtisch und Maltisch eng nebeneinander. So steht mein ganzes Gesamtkunstwerk auf dem Fundament meines Innenlebens, auch die Bildhauerarbeiten und die Landart Projekte.
Natürlich haben mich auch andere Künstler und Schriftsteller geprägt, dies ist im Leben eines jeden Künstlers so. Für meine Suche waren waren C.G. Jung, Heinrich Zimmer, Joseph Campbell und h.D. Thoreau besonders wichtig. Sie waren mir für einige Zeit geistige Lehrer.
„Der Weg nach Innen“ war schon in meiner Kindheit sehr ausgeprägt und was da aus meinem Innern hervorkam, erschien mir damals als Chiffre. Ich hatte ja noch keinen Schlüssel weder zum Unbewussten noch zur Mythologie. Denn musste ich mir erst selbst schmieden.
Ich war als Kind und Jugendlicher kein Einzelgänger, eher ein Einsamer. Ich konnte ja niemanden meine tiefsten Gedanken verraten, da hätte man mich zum Psychiater geschleppt. Also behielt ich es für mich. Als Jugendlicher entdeckte ich dann dass man in Gedichte alles schreiben kann ohne Misstrauen zu erregen. Also begann ich Gedichte zu schreiben, in diese verpackte ich hermetisch verschlossen meine geheimen Gedanken. Nun hatte ich etwas das nur mir gehörte und dessen Geheimnis nur ich kannte. Ich war wer! Was natürlich für meine manchmal labile jugendliche Persönlichkeit enorm wichtig war.
Ich bin fest davon überzeugt dass Künstler werden – das Werden des Künstlers – schon in der Kindheit des einstigen Künstlers verborgen liegt, denn – wahre Kunst ist immer auch ein Ruf des Unbewussten. Ich möchte hier nur Joyce und Picasso als Beispiele erwähnen. Der größte Schriftsteller und der größte Maler des zwanzigsten Jahrhunderts fanden ihre Worte und Bilder rein aus dem Unbewussten. Ich war immer davon überzeugt wenn ich dem Ruf aus meinem Inneren nicht folge, dann bleibe ich ewig ein Nachahmer. Der Weg zur Kunst begann für mich in meiner Kindheit mit dem Erlebnis dass ich mit einem kleinen wunderschönen Pilz hatte, dieses war sozusagen mein Erweckungserlebnis:

Als Knabe hatte ich einmal ein seltsames Erlebnis mit einem wunderschönen Fliegenpilz. Ich saß unter einer großen, mächtigen Fichte, es war die Zeit des Altweibersommers, der moosige Boden war voller Morgentau und tausende von silbernen Spinnweben durchfunkelten mystisch den morgendlichen Wald. Ich schwänzte mal wieder die Schule und fühlte mich so richtig wohl, bei dem Gedanken an meine pflichtbewussten Mitschüler, sollten die nur einmal lernen. Direkt vor mir wuchs ein herrlicher Fliegenpilz, er gefiel mir so gut, das ich ihn ewig lange anstarrte, plötzlich regten sich in mir Gedanken, wie ich sie nie zuvor gedacht hatte. Ich wollte mit einem Male so sein wie dieser Pilz hier in seiner einzigartigen Schönheit, einfach nur Tag und Nacht an diesem platz verweilen, den Liedern der Vögel lauschen, Rehe und Hasen beobachten, den gleitenden Flug des Bussards und Sperbers erspähen, ja, dies war für mich etwas ganz Großartiges und dieser Gedanke hat mich mein Leben lang nicht mehr losgelassen, und oft habe ich später dieses Gefühl in mir wiedergefunden: Dieses in der großen Gemeinschaft mit Baum, Stein und Tier bin ich nicht alleine.
Nach diesem Erlebnis in meiner Kindheit hatte ich Tage später einen seltsamen Traum. Mir erschien ein Gesicht das Ähnlichkeit mit den Gesichtszügen des Buddha hatte wie man „dessen Gesicht“ eben von Illustrationen her kennt. Die Gesichtszüge lagen in tiefer Versenkung und Meditation. Plötzlich wuchs aus diesem Buddhakopf ein riesiger Fliegenpilz. Viele Jahre später hatte ich den fast gleichen Traum noch einmal, diesmal tauchten noch zwei weitere Gesichter auf, sie hatten Ähnlichkeit mit einem Steinrelief. Von da an nannte ich die Traumgestalt Amanita-Buddha.
hukwa





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