Freitag, 24. Juli 2009

Tat twam asi oder der erwachte Mensch

Die Geschichte ist ein Alptraum aus dem ich zu erwachen versuche, schrieb Joyce. Wohl ist mit diesem Erwachen ein "erwachen" unseres Selbst gemeint. Ein "Erwachen" zum Da – Sein.
Wohl auch ein erwachen hin zur Vernunft, zur Demokratie, zum menschlichen Handeln, jenes "Erwachen" von ganzheitlichen Wahrnehmen. Der Mensch ist ein Schläfer, der sein Leben verschläft. Es gibt auch Träumer unter den Menschen, die ihr Leben lang nur Träumen und es gibt die "erwachten" unter den Menschen, die im Zustand des Wachseins leben, deren Tage so vergehen, das sie täglich munterer, anstatt schläfriger werden. Es handelt sich hierbei um jene Menschen, die darum wissen das Leben ewige Suche ist. Sobald wir etwas gefunden haben geht die Suche weiter. Denn was wir finden sind immer neue Rätsel, die gelöst sein wollen. Im Leben immer beim gleichen zu verharren heißt auf die Instinktstufe eines Tieres zurück zu sinken, den geistigen Schlaf weiter zu schlafen, das Narkotikum dieser Gesellschaft weiter zu sich zu nehmen. So fühlt sich der erwachte Mensch oftmals als würde er sich unter lauter Schlafwandlern bewegen. Das "erwachen", ist immer ein Erwachen zur Transzendenz, die etwas ist was wir letztendlich mit Gedanken nicht fassen können. Gehört unser Denken auch unserem höheren Bewusstsein an, ist das Denken bei den meisten Menschen dennoch so im irdischen und materiellen verschlackt, das sich deren Gedanken immer auf äußerst niederem Niveau abspielen. Es ist wohl so und nicht umgekehrt das unser Körper eine Materialisation unseres Bewusstseins ist, das aber die meisten Menschen, davon ausgehen, dieser Körper erdenke sich erst jenes was wir Bewusstsein nennen.
Denn größten Teil seines Empfindens, empfindet der Mensch über seinen Körper. Er versucht also seinen Geist über seinen Körper zu erreichen. Dies mag zwar naheliegend sein, aber es ist Grund verkehrt. Man soll sich einfach zu seinem Geist begeben, also zu seinem Bewusstsein und darüber hin zu seinem Körper nicht umgekehrt. Dies ist das was ich als geistige Materialisation bezeichne. Zur Monade kehren wir ohnehin wieder zurück, doch mit unserem Bewusstsein wissend immer in der Monade zu verweilen, dies wäre das absolute erwacht sein.
Es gibt etwas in uns das alle Vorstellungskraft, alle Kategorien und jegliches Denken übersteigt. Da dieses "etwas" jenseits unseres Denkens besteht, haben wir auch keinen zugriff über die uns bekannten Denkvorgänge auf dieses "etwas". Was bedeutet: es ist transzendent!
Unerreichbar in diesem irdischen Kleide, ist es dennoch jedem Menschen immanent. Der Mythologe Joseph Campbell schreibt in seinem Buch "der Flug der Wildgans", folgendes:
"Ich bin nicht mein Leib, meine Gefühle, meine Gedanken, sondern das Bewusstsein, deren Manifestationen diese sind". Denn wir alle, in jedem Atom unseres Wesens, sind ein Niederschlag des Bewusstseins, wie es auch die Tiere und Pflanzen, von einem Magneten angezogene Metalle und nach dem Mond flutende Gewässer sind. Erwin Schrödinger, einer der bedeutensten Physiker des 20.Jahrhunderts, erklärt in seinem Buch, meine Weltsicht:
"Teilung, Vervielfachung des Bewusstseins ist etwas sinnloses. Es gibt innerhalb des erscheinenden nirgends einen Rahmen, innerhalb dessen Bewusstsein im Plural vorgefunden wird, wir konstruieren das nur auf Grund der räumlich – zeitlichen Pluralität der Individuen, aber die Konstruktion ist falsch". Und Schrödinger fragt nach: "Was lässt dich so einen eigenartigen Unterschied entdecken – den Unterschied zwischen dir und einem anderen -,
wo objektiv das selbe vorliegt?... Daran ist dieses, dein Leben, das du lebst, auch nicht ein Stück nur des Weltgeschehens, sondern in einem ganz bestimmten Sinn das ganze. Nur ist dieses Ganze nicht so beschaffen, dass es sich mit einem Blick überschauen lässt. – Das ist es bekanntlich, was die Brahmanen ausdrücken mit der heiligen, mystischen und doch eigentlich so einfachen und klaren Formel. Tat twam asi (das bist du. – Oder auch mit Worten wie: Ich bin im Osten und im Westen, bin unten und bin oben, ich bin diese ganze Welt."


Dieses: ich bin die ganze Welt, also dieses bewusst zu wissen, ist es das die alten Weisen, das
"Erwachen" nennen. Der Mensch ist nicht mehr Automat und Roboter, sondern er ist aus seinem gesellschaftlichen Schlaf erwacht, er ist nun er selbst. Er selbst im wahrsten Sinne des Wortes da sein Ich sich transformiert hat und zu seinem Selbst zurückgefunden hat. Wir erkennen diesen Unterschied von Ich und Selbst wenn wir Kinder beobachten. Das Kind besteht zu recht aus einem großen Ich. Im Lauf des Lebens des erwachsen Werdens, verwandelt sich das ehemals kindische Ich in viele andere Ichs. Wenn der Mensch nun in ein gewisses Alter kommt, tut er gut daran, sich wieder auf sein eines ich zu konzentrieren, damit dieses sich zu seinem Selbst transformieren kann. Denn letztendlich ist das Ich, nichts anderes als das Selbst, ein Selbst gefangen in den Konventionen und Schlacken dieser Gesellschaft. Man kann auch ohne weiteres sagen, das Ich ist nicht anderes, als ein gefangenes Selbst und sobald es befreit (erwacht) ist, wird es zum Selbst. Denn unser Ich ist nichts anderes als eine Spiegelung unseres Selbst. Das Selbst ist mein Ureigenster Besitz, nicht das Ich, dieses Ich ist eine Formung von verschiedenen gesellschaftlichen und weltlichen Einflüssen. Noch klarer ausgedrückt: das Selbst ist das Sein. Das Selbst ist tatsächlich die Monade! Das Selbst auf logischem Wege beweisen zu wollen ist nicht nur fatal, es ist schlichtweg unmöglich. Alles was ich über mein Selbst wissen kann beruht auf Erfahrung. Das "ich denke also bin ich", ist ein Beweis meines existierenden Ichs, ich kann im Denkprozess meinem Ich sehr nahe kommen, aber dieses Denksystem hat keine Gültigkeit für mein Selbst. Hier bin ich auf Erfahrung und Ahnung angewiesen. Das Selbst logisch zu beweisen ist genau so unmöglich als Gott zu beweisen. Laden wir noch einmal Joseph Campbell in den Zeugenstand: "Wenn wir folglich nach der Art unserer Theologen fragen: Ist Gott Gerecht? Gnädig? Zornig?
Bevorzugt er dieses Volk oder jenes: die Juden oder die Christen, so ist das von diesem Standpunkt aus absurd. So zu denken heißt, menschliche Empfindungen und Sorgen über ihren irdischen Geltungsbereich hinaus zu verlängern und damit das Problem vollkommen zu verfehlen. Es stellt eine Art Anthropomorphismus dar, der einer entwickelten Religion kaum angemessen sein dürfte, als das man dem Ursprungsgeheimnis allen Seins ein Geschlecht zu schreibt – eine weitere Absurdität unserer befremdlichen Religion:" Genau so ist es mit dem Selbst, wir können uns das Selbst nicht "menschenähnlich" vorstellen, wir können es uns überhaupt nicht vorstellen. Alles was wir können ist der Versuch zu "Erwachen" und unseren "metaphysischen Besitz" unser Selbst uns endlich bewusst anzueignen.
hukwa

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