Sonntag, 27. Februar 2011

Heimatkunde und Geomantie

Eine Wiederverzauberung mit der Natur

In einer von der Stadtkultur geprägten Landschaft sind die sinnlich und geistig geprägten Verbindungen des Menschen zu seiner Umwelt nicht mehr so positiv vorhanden, wie in einer Landschaft die mehr dörflich strukturell geprägt ist. Was auch nachvollziehbar ist denn mit der Stadtkultur beginnt die „Entzauberung der Natur“.

Aber es gibt sie noch, jene Landschaften die uns so etwas wie Heimatgefühl geben, Landschaften die uns mitteilen hier bin ich zu Hause, Landschaft die uns ihre Geschichte erzählt in dem wir Teil ihrer Geschichte werden.

Denn so wie die Geschichte- das Geschichtsbewusstsein- in uns ist, so ist es auch in der Landschaft in der wir leben und wie wir über diese Landschaften erzählen so erzählt uns diese Landschaft über sich. Wenn man also über eine bestimmte Landschaft erzählt so verleiht man ihr eine Stimme was letztendlich bedeutet, wir beginnen eine Kommunikation mit ihr.

Es gibt diese besonderen Plätze in der Landschaft die uns ganz plötzlich und ohne Ankündigung anspricht. Wenn wir auf solche Plätze treffen fühlen wir uns irgendwie „geortet“, wir spüren plötzlich eine Verbundenheit mit diesem Ort. Selbst wenn dieser Platz uns nicht bekannt war ist es uns zu Mute als seien wir schon einmal hier gewesen. Dies ist der Moment wo wir geomantisch wahrnehmen. In solchen Momenten sollten wir an solchen Orten verharren und uns ganz der Wahrnehmung hingeben. Es bedarf natürlich einer gewissen Grundstimmung in uns um solches überhaupt wahrnehmen zu können. In den alten Überlieferungen und Märchen lesen wir das sich besondere orte und Plätze nur jenen auftun die reinen Herzens sind, in unsere heutige Sprache übersetzt bedeutet dies das sich die spirituellen Dimensionen eines Platzes jenen auftun die dies zu respektieren wissen. Was an solchen Plätzen dann in uns vorgeht ist das Gegenteil der „Entzauberung“ es entsteht eine „Wiederverzauberung“ mit der Natur. Solche „Wiederverzauberungen“ überkommen uns oftmals auch an Orten die einen historisch heimatkundlichen Hintergrund haben. An Quellen, Brunnen, markanten Bäumen, alten Ruinen oder an Plätzen die einst kultisch genutzt wurden. Oft haben solche Plätze auch ihre eigenen geologisch- geomantische Besonderheiten die sie aus dem übrigen Landschaftsgefüge etwas herausheben.

Ein solcher Ort ist für mich die Amseldelle bei Trippstadt, die oberhalb des landschaftlich sehr markanten Karlstal liegt. Dieses wunderschöne, romantische Tal, an der Moosalb gelegen, ist zweifelsohne ein Landschaftsgebiet wo sich geomantische Knotenpunkte kreuzen. Hier lässt sich für jene die in der Geomantie geübt sind ein struktureller Ausdruck in der Landschaft erkennen, eine Art metaphysischer Wirklichkeit die diesem Tal inhärent ist.

Im Gegenteil zum Karlstal das touristisch schon „erobert“ ist verharrt die Amseldelle noch immer in einem leichten „Märchenschlaf“ (es soll auch nicht Sinn dieses Artikels sein sie aufzuwecken.), ich hoffe das wird auch noch eine Zeitlang so bleiben. Hier spürt man deutlich das noch nicht besonders viel „Psychomüll“ entladen wurde.

Die Amseldelle wurde 1842 von Freiherr von Carl von Gienanth angelegt. Zu dieser Anlage gehören ein Schießstand, ein ehemaliger Irrgarten aus Eibenbäumen, ein wunderschöner Wildholzpavillon der heute nicht mehr existiert, eine Kegelbahn und eine Hütte die als Kochstelle diente. 1891 wurde auf der Amseldelle ein großer Steinmenhir mit einer Gedenktafel zur Erinnerung an den 70zigsten Geburtstag des Prinzregenten Luitpold von Bayern aufgestellt.

Etwa 1200 Meter von der Amseldelle entfernt im Baumbestand von Buchen und Eichen versteckt und auf der höchsten Erhebung dieses Gebietes gelegen, finden wir eine seltsame und geheimnisvolle Steinformation, die uns an ein keltisches Steingrab erinnert, aber laut den Aussagen einiger Landschaftspfleger eine Steinformation aus der Eiszeit sein soll.

Was jedoch nicht ausschließt das diese Steinformation in prähistorischer zeit kultisch genutzt wurde. Auch ist die Ähnlichkeit mit bekannten Hünengräbern so verblüffend ähnlich, vor allem mit dem Hünengrab von Rheinfeld, das es schon mehr als verblüffend ist, das diese Steinformation keinen religiösen Hintergrund in prähistorischen Zeiten hatte. Etwa 500 Meter entfernt von dieser megalitischen Felsformation befindet sich eine bewachsene künstliche runde Erhebung, die stark an eine sogenannte Steinkiste (Grabmal) erinnert. Hier möchte ich auf die Ähnlichkeit mit dem Steinkistengrab von Gielow hinweisen.

Für die Gemeinde Trippstadt gibt es derzeit keine Hinweise auf eine Besiedelung in prähistorischen Zeiten, was natürlich nicht heißt das es hier keine Besiedelungen gab.

Menschen die noch die Aura wahrnehmen können die bestimmten Plätzen anhaftet werden an diesem Ort sofort „spüren“ das es sich um einen besonderen „Kraftplatz“ handelt. Seit einigen Jahren feiere ich hier regelmäßig die Feste des Jahreszyklus.

Es bedarf natürlich der Voraussetzung der „Entleerung“ für die Kommunikation mit einem solchen Ort. Das heißt wenn wir solche orte und Plätze aufsuchen sollten wir uns weniger vom Intellekt Inspirieren lassen als mehr von der Intuition. Ist dem so dann kann es schnell passieren dass sich die angeblichen Gesetze der linearen Zeit auflösen und wir uns Wiederfinden in einem kosmischen Reigen der eingestanzt ist in den Jahresringen der Bäume, im Geäder der Steine und auch ein Teil unseres Selbst ist. So kann es passieren das wir jene Ebene betreten da Heimatgeschichte, Geomantie und persönliche Geschichte sich auflösen und wir mit einem Mal etwas wie eine „andere Wirklichkeit“ erfahren. Eine Wirklichkeit die genau so wirklich ist wie jene alltägliche Wirklichkeit von der wir annehmen es sei die einzige die existiert.

hukwa

Dienstag, 22. Februar 2011

Die Überwindung des Gewöhnlichen

Hermeneutische Gedanken zu einem Vers von Dante

Um nicht ein Leben lang im Einfachen, zermürbenden Denken zu erstarren, muss der Mensch über sich selbst hinauswachsen. Wollen wir die Wahrheit finden, müssen wir das Gefängnis der Seinsvergessenheit hinter uns lassen. Man muss Selbstfindung betreiben, damit wir die bereiche des kosmisch – universellen Seins erreichen, das die wirkliche Heimat menschlichen Seins ist. Diese schwierige, mühselige Überwindung individueller Grenzen ist wie das Sprengen eines Panzers, der unseren Geist gefangen hält. Ein Vers Dantes spricht es so aus:

„Es lächelt mir Bernard einen Wink zu,

Aufwärts den Blick zu richten, doch von selber

War ich bereits so, wie er es begehrte.

Weil meine Sehkraft, immer klarer werdend,

Jetzt weiter in den Strahl und weiter vordrang

Des hehren Lichts, das in sich selber wahr ist.

Fortan war höher mein Schauen als unsere Sprache.

Die solchem Anblick weicht, und das Gedächtnis

Auch muss so vielem Übermaße weichen.“

Es ist das Verschwinden jeglicher Form von dem uns Dante hier berichtet, das Aufgehen in die höchste Dimension. Es ist das Eindringen in die Welt des absoluten Geistes. In diesen Versen berichtet uns Dante über die letzten Schritte seiner großen Wanderung, als er das Symbol der Himmelsrose erblickte und er in sich spürte das er nur noch darüber hinausgehen kann, in eine noch höhere unbeschreiblichere Dimension des absoluten Seins.

Wie kann man wohl heute in unserem materialistisch – konsumistischen – rationalem Weltbild das uns prägt, einem Menschen wie Dante auf seiner Wanderung folgen? Ist es überhaupt noch möglich zu Sehen wie dieser große Seher einst sah? Welcher Instrumente bedürfen wir um mit Dante wandern zu können?

Dichtung, Kunst, Philosophie in Verbindung mit einer meditativen Lebenshaltung, machen es uns möglich zu sehen was Dante sah. Nur eine kulturelle, philosophische Lebensführung lässt uns den begrenzten Horizont des alltäglichen Rationalismus überschreiten.

So finden wir in der indischen Kena – Upanishad die fast gleichen Worte die Dante in seinen Versen aussprach:

„Das bis zu dem kein Auge vordringt,

Nicht rede und Gedanke nicht,

Bleibt unbekannt und nicht sehn wir,

wie einer es uns lehren mag!

Verschieden ist’s vom Wißbaren,

Und doch darum nicht unbewusst!“

Hier ist jenes Namenslose gemeint, der Ursinn aller Dinge und Erscheinungen, jenes unergründliche Geheimnis, verborgen und nur hörbar dem. Der bereit ist der kosmischen Sphärenmusik zu lauschen.

hukwa

Montag, 21. Februar 2011

Das Lied des Taliesin

Versuch der Deutung eines alten keltischen Schlüsseltextes


Urbarde bin ich dem Elfin,

Ursprungsland ist mir das Reich der Sommersterne

Ich heiße Merlin, und einst wird Taliesin

Mich jeder König nennen.

Mit dem Herrn war ich im höchsten Kreis

über Luzifers Fall zur Hölle.

Ich habe vor Alexander das Banner getragen,

ich kenne die Sternennamen von Nord nach Süd.

Ich war auf der Milchstrasse am Thron des Teilers,

ich war in Kanaan, als Absalom erschlagen ward,

ich betreute Gottes Geist in der Talniederung zu Hebron,

ich war am Hofe Dons vor Gudions Geburt,

ich war Lehrer dem Eli und dem Hennoch.

Ich erhielt die Schwingen des Genius vom glänzenden Bischofstabe,

ich war beredt, ehe ich redebegabt war.

Ich war am Ort der Kreuzigung des gnadenreichen Gottsohnes.

Drei Menschenalter war ich im Gefängnis Arianrods.

Ich war Bauleiter am Werk des Nimrodturms.

Ich bin ein Wunder von unbekanntem Ursprung!

Ich war in Asien mit Noah in der Arche

Und schaute die Vernichtung von Sodom und Gomorrha.

Ich war in Indien, als Rom erbaut ward,

hergelangt bin ich mit den letzten von Troja.

Ich war mit dem Herrn im Eselstall

Und stärkte Moses mit Jordanwasser.

Ich war mit Maria Magdalena vor der Himmelsfeste.

Ich erlangte Musenweihe aus Caridwens Kessel,

war ein Barde der Harfe zu Lleon von Lochlin.

Ich war auf dem weißen Berge am Hofe von Cynelyn

Tag- und Jahrelang in Stöcken und Ketten.

Ich habe Hunger gelitten für den Sohn der Jungfrau

Und wurde erzogen im Land der Gottheit.

Allem Geistigen wurde ich Lehrer,

imstand das ganze All zu lehren.

Also werde ich bis zum Tage des Urteilsspruches

Auf dem Antlitz der Erde sein,

unbekannt sei mein Leib Fisch oder Fleisch.

Dann war ich neun Monde lang

Im Schoß der hexe Caridwen,

ursprünglich klein Guidon bin ich endlich Taliesin.

Das Lied des Taliesin ist ein Schlüsseltext druidischer Metaphysik, der vorkeltische, keltische und nachkeltische Motive enthält. Taliesin ist ein Barde des 6.Jahrhunderts, taucht aber in seiner schriftlichen Form erst im 16.Jahrhundert auf. Taliesin ist der Hauptheld verschiedener keltischer Märchen, Legenden und Gedichte. Im berühmten „Red Book of Hergest“, findet man 58 Gedichte, die mit Taliesin in Verbindung stehen und die dort die Bezeichnung „The Book of Taliesin tragen.

Man kann davon ausgehen das es sich bei Taliesin um die Gestalt des Merlin handelt. Die keltischen Überlieferungen zeigen uns eine Reihe von Gestaltwechseln in denen die Dichter und Erzähler sich in andere Personen verwandeln oder sich an Reinkarnationen erinnern.

In der keltischen Tradition hieß dieser Prozess abred (ab = von, rhed= Weg) und bedeutet das alle empfindenden Wesen betreffende Prinzip der Entwicklung und des Vorwärtsschreitens.

Der englische Keltenforscher Edward Williams schreibt hierzu: „ Da es in jeder Art des Daseins ein besonderes Wissen gibt, welches den anderen Arten vorenthalten bleibt, ist es notwendig, dass wir jede Form des Daseins durchschreiten… ehe wir alle Arten des Verstehens erlangen, um schließlich alles Böse von uns zu weisen und uns dem Guten zu widmen“.

In diesem Sinne fügt sich der Prozess, der „Weg“, dem karmischen Gesetz der Entwicklung, zu dem die Reinkarnation gehört. Wir können es auch im aristotelischen Sinne Entelechie nennen. Dieser „Weg“ führt zwangsläufig durch die mineralische, pflanzliche und tierische sowie menschliche Stufen, auch wenn die anfänglichen Stadien schon vor Jahrtausenden worden durchschritten sein mögen, in Gefilden die unserem Sonnensystem vielleicht weit entfernt sind.

Das obige Lied wird auch das Rätsel des Hannes Taliesin genannt. Zweifelsfrei ist das Lied in der Form des Rätsels aufgebaut, doch bin ich mir sicher das dies zweitrangig ist. Das Lied oder auch Gedicht, drückt etwas sehr universelles aus, dies ist sein Inhalt, dies ist sein Sinngehalt. Es handelt sich um eine Selbstfindung- ein wiederfinden des verlorenen Selbst, ein Erwachen aus der Seinsvergessenheit.

Ranke Graves wurde durch dieses Lied so Inspiriert das er die „weiße Göttin“ schrieb, ich stimme Ranke Graves nicht immer überein, gestehe aber das er eines der tiefsten und schönsten Bücher über den Mythos schrieb das ich selbst sehr oft zur Hand nehme und das mich immer wieder fasziniert, weil es eine wunderbare Mischung aus Poesie und Wissenschaft darstellt.

Zweifelsohne stellt Hannes Taliesin eine Quest dar. Vor allem geht es dem Verfasser um das Unvergängliche, das Unsterbliche, das in ihm lebt und west. Von der Hexe Caridwen verfolgt und nach zahlreichen Abenteuern schließlich von ihr verschlungen, wird er wiedergeboren, was bedeutet sein individuelles Ich ist abgestorben und er ist als Selbst wiedergeboren worden. Taliesin will uns einfach darauf Aufmerksam machen das es etwas „Dauerndes“ im Menschen gibt, etwas das dem Menschen die Angst vor dem „Gefressen“ werden nehmen kann. Taliesin hält nicht fest an den Dingen sondern sein Halt ist das „Werden“, ähnlich dem

„werden“ des Heraklit. Oder mit Ovid gesprochen:

„Keinem bleibt seine äußere Gestalt, die Verwandlung aller Dinge, Natur, sie lässt aus dem

Einen das Andere werden.

Glaubt mir, nichts in der ganzen Welt geht wirklich zugrund,

es wandelt sich nur, erneut sein Gesicht.“

hukwa

Sonntag, 20. Februar 2011

Alte Gemäuer an meinem Wege

Die bedeuternste Kaiserslauterer Mühle war die Kaisermühle, die 1310 durch den Schmied Gottfried von Lautern, mit Erlaubnis von Heinrich VII in Betrieb genommen wurde. Man kann davon ausgehen das sie erst 200 Jahre später als Getreidemühle genutzt wurde, warum auch sollte ein Schmied Getreide mahlen? Wahrscheinlich wurde sie in den ersten 200 Jahren als Schleifmühle genutzt.

Die Kaisermühle lag unterhalb des Alberichsberges, in früheren Zeiten Elberichsberg genannt, ein Name der als Kind meine Phantasie immer sehr beflügelte. Oft habe ich im „Elberichsberger“ Wald gespielt. Zwar stand die Kaisermühle in meiner Kindheit nicht mehr, doch das alte Kaisermühler Herrenhaus kannte ich noch sehr gut. Zur Kaisermühle gehörte zeitweilig auch die Papiermühle in Kaiserslautern, von der heute nur noch ein Straßenname zeugt und eine weitere Mühle die dort gestanden haben muss wo der heutige Volkspark ist.

Gerade mal 300 Meter von der Kaisermühle entfernt, stand bis in die 1950ziger Jahre die Dammühle die seit 1695 an diesem Platz bezeugt ist, diese war eine Getreidemühle die von den Wassern des Eselsbach angetrieben wurde. Ebenfalls in der nähe der alten Kaisermühle stand die im 16.Jahrhundert erbaute Neumühle, die nach dem 2.Weltkrieg abgerissen wurde.

Etwa eine viertel Stunde Fußweg von diesen Mühlen entfernt stand die Gallapmühle, hier wurden Galläpfel zu Tinte verarbeitet.

Wenn ich auch einige dieser Gebäude nicht mehr kannte, so spielte ich als Junge doch an den Plätzen wo diese Gebäude einst standen und wo immer noch einige Gemäuerreste oder Steine herumlagen.

Auf dem Weg von meinem Heimatdorf nach Kaiserslautern, nach Morlautern oder nach Otterbach fanden sich einige alte historische Gebäude.

Wie ein Märchenturm voller Romantik und Geheimnisse, versteckt hinter Nussbäumen, Efeu und Brombeerranken, lag der Meutheturm an einem Waldhang an der Lauterstrasse, gleich neben dem Kröckelschen Steinbruch in dem meine Großväter als Steinmetze und Schmiede gearbeitet hatten.

Der Meutheturm ist mir als wahrer Zauberturm im Gedächtnis geblieben. So oft ich mich dort aufhielt, ich war immer allein, kein Fuß fand in diese Idylle hinein, er hatte lange Jahre die Aura des Unantastbaren für mich dieser alte achteckige romantische Turm. Kein Mensch schien an dem im Dornrösschen Schlaf liegenden Turm Interesse zu hegen. Oft wenn ich in der Dämmerung dort spielte, war es mir, wenn ich dann noch das Gekrächze der Krähen hörte, als würde gleich der alte Barbarossa aus seiner Höhle heraustreten und ich würde wie ein Knappe mit ihm über den Kaiserberg wandern. So wie ich jeden Baum und Strauch in meinem Heimatwald kannte, so war mir auch der Kaiserberg bekannt und ich war fest davon überzeugt das der alte Rotbart hier irgendwo in einer Höhle seinen Geschichtsträchtigen Schlaf hielt.

Es lag ein romantischer Zauber über diesen verwitterten in sich ruhenden Steinfassaden des alten Turms der sich in diesem einstigen Park regelrecht versteckte.

Zu meiner Kinder- und Jugendzeit war dieses ganze Gebiet um den Kaiserberg eine von Pflanzen und Bäumen wunderschöne verwilderte Landschaft.

Der einst wohl prächtige Park wurde im Osten vom Burggraben abgeschlossen und 500 Meter westlich vom Steinbruch. Im Süden grenzte er an die Lauterstraße, wo einst auch die Ohligmühle gestanden hatte. Nördlich des Parks dehnten sich die weiten Felder bis zum Lindenhof hinauf wo meine Großmuter geboren wurde. Der alte Turm ist mir als wirklicher Zauberturm der Kindheit in Erinnerung geblieben.

hukwa

Mittwoch, 16. Februar 2011

Spaziergang zum Kalteborn

Heute hatten wir einen wunderschönen sonnigen Februartag. Im Schloßpark blühen die ersten Schneeglöckchen und die Haseln blinken golden in der Mittagssonne. Der Grünspecht ruft jetzt immer lauter, die letzten zwei Tage habe ich ihn während meiner Waldgänge regelmäßig gehört. Auch die Meisen ahnen das nahende Frühjahr, sie sind besonders lebendig. Man spürt förmlich das unter Laub, Gehölz und Erde ein energisches Wachstum in Gange ist. Überall im Kalteborner Tal sind nun Tümpel entstanden und von den Hügeln rinnt das Wasser. Ich komme gerne in dieses Tal mit seinem alten Brunnen und dem leise rieselnden Waldbach. Es ist ein alter gefasster Brunnen der schon im Mittelalter benutzt wurde. Hohe Bäume umstehen ihn und gleich daneben befindet sich ein kleiner Waldweiher. Einige Zeit saß ich unter den mächtigen Bäumen und beobachtete die mich umgebende Natur. Auch hier unten blinken überall die Haselsträucher und ein harziger Geruch geht von den Fichtenbäumen aus. Eine tiefe Ruhe herrscht in diesem Tal.
hukwa

Am Kalteborn im Trippstadter Wald


Dienstag, 15. Februar 2011

Die Kelten im Pfälzerwald


Der Reichswald im Umland von Kaiserslautern wurde schon sehr früh besiedelt. Aus der jüngeren Steinzeit (500-2000 v.Z.), der darauffolgenden Bronzezeit (2000-1200 v.Z.) und der sich ihr anschließenden Eisenzeit (1200 v.Z.) liefert die Landschaft des Reichswaldes eine beträchtliche Anzahl von Fundstücken, die im Historischen Museum der Pfalz in Speyer verwahrt werden.
Der Reichswald ist der Rest des ehemaligen Lutraforstes im Reichsland Lautern. Der keltische Stamm der hier siedelte waren die Mediomatriker, die wahrscheinlich mit den Treverern verwand waren. Die Mediomatriker bewohnten das Gebiet des heutigen Ostfrankreichs, Saarland und Rheinland-Pfalz. Aus ihrer Hauptstadt Divodorum Mediomatricum ist das heutige Metz hervorgegangen. Ihnen benachbart lebten die Leuker und die Eburonen, im Kerngebiet der La Tene – Kultur, also jener Kultur die auf die Hallstatt-Kultur folgte von 480 bis 40 v.Z. Die La Tene zeit gilt als die letzte Blütezeit der keltischen Kultur. Dieser jüngste Abschnitt der Eisenzeit, also seit ca. 450 v.Z. wird nach dem schweizerischen Fundort La Tene bezeichnet.
An der ehemaligen Landstrasse von Rodenbach nach Ramstein, sozusagen mitten im „Herz des Reichswaldes“, fand man einige keltische Fürstengräber, aus denen in den Jahren 1874 u. 1875 aufsehenerregende frühgeschichtliche Funde wie Waffen, Werkzeuge, Schmuck und Gebrauchsgegenstände freigelegt werden konnten.
Berühmt ist das „Fürstengrab von Rodenbach“, in dem man unter anderem einen goldenen armreif und einen goldenen Ring fand. Dieser Armreif gilt in Fachkreisen als „Ikone der pfälzischen Frühgeschichte“. Als dieser Armreif 1874 entdeckt wurde nahm man damals an er wäre eine „Importware“ und von skythischen, griechischen oder etruskischen Kunsthandwerkern geschaffen worden, erst nach langen intensiven Untersuchungen stellten Archäologen fest, dass es sich um einen neuen keltischen Stil handelte. Repliken des goldenen Armreifs und des Rings befinden sich im Reinhard – Blauth Museum in Weilerbach im Landkreis Kaiserslautern. Am westlichen Ortsausgang von Weilerbach wurden in den Jahren zwischen 1955 und 1959 30 Einzelgräber aus der pfälzischen Frühzeit untersucht.
Otto roller schreibt in „der Pfälzerwald – Porträt einer Landschaft“: „In der Pfalz sind es zwei Bereiche, aus denen solch reich ausgestattete Gräber vorliegen. Einmal ist es der Raum von Rodenbach, nordwestlich von Kaiserslautern, zum andern…der Raum bad Dürkheim, also beides Zentren, die im Zusammenhang mit dem Pfälzerwald zu sehen sind. Im Falle der Gräber von Weilerbach und Rodenbach lässt sich ein regionales Machtzentrum über mehr als hundert Jahre erschließen, und auch bei Bad Dürkheim ergibt sich die gleiche Zeitdauer, bedingt durch den Nachweis eines späthallstattzeitlichen Fürstensitzes auf der „Heidenmauer“ über Bad Dürkheim und eines frühlatenezeitlichen Fürstengrabes“.
Die Eisenerzvorkommen in verschiedenen Teilen des Pfälzerwaldes waren für die Kelten sehr wichtig, denn damit wurden jene Waffen geschmiedet, die den Kelten für längere Zeit die militärische Überlegenheit über ihre Nachbarn sicherten und ihre Expansion ermöglichten. Beim Kaiserslauterer Stadtheil Wiesenthalerhof fand man in den 1930er Jahren Eisenbarren und Bronzestücke aus der Keltenzeit.
Auch betrieben die Kelten wohl eine intensive Schweinezucht in den Wäldern des Pfälzerwaldes durch Waldmast. Das Schwein spielt nicht nur in der keltischen Mythologie eine wichtige Rolle, es war auch das keltische Hauptnahrungsmittel.
Eine einheimische Eisenerzgewinnung der Kelten lässt sich vor allem im Gebiet des Donnersbergs nachweisen. Der Donnersberg stellt vor allem das kultische Zentrum der Kelten im Bereich des Pfälzerwaldes dar. Das Plateau des Donnersbergs wird zum Teil heute noch von einem sichtbaren Wallsystem umzogen. Es sind Reste einer Befestigungsanlage einer spätkeltischen Siedlung. Der Name dieser Siedlung ist unbekannt doch sie wurde um die Mitte des 2.Jahrhundersts v.Z. von einem keltischen Stamm bewohnt, hierbei kann es sich nur um die Mediomatriker gehandelt haben die wiederum mit dem Stamm der Treverer verwand waren. Hervorzuheben ist die Viereckschanze auf dem Donnersberg, die angeblich kultisch genutzt wurde. Die Siedlung auf dem Donnersberg, das Ostwerk, wie es genannt wird, war von einer 4m hohen, aus Bruchsteinen errichteten Trockenmauer umgeben, die durch eine Holzkonstruktion aus senkrechtstehenden und schräg nach hinten verankerten Balken stabilisiert war. Die Viereckschanze wurde viel früher als das Oppidum angelegt, woraus man, wenn auch etwas spekulativ, schließen kann das der Donnersberg lange Zeit der „heilige Berg“ jenes Keltenstammes war der im Pfälzerwald siedelte.

Der größte Fund wurde jedoch in der sogenannten „Kaiserslauterer Senke“ gemacht. Zwischen Eselsführt, Enkenbach und Hochspeyer wurde ein 3000 Jahre altes Gräberfeld mit bisher über 300 vermuteten Grabstellen entdeckt, diese Entdeckung, dürfte die uns Sicherheit darinnen geben, das sich im Landkreis Kaiserslautern, einst, das vielleicht wichtigste keltische Zentrum nördlich der Alpen befand.
Horst W. Müller schreibt am 6.10.03 in der Pfälzischen Volkszeitung:
„Seit mehr als 3000 Jahren liegen sie weitgehend ungestört auf Lauterer Land: Gräber der Kelten. Einzelne uralte Ruhestätten sind keine Seltenheit in dieser Region, die seit Urzeiten besiedelt ist. Doch das jetzt entdeckte Gräberfeld mit den Dutzenden von Hügelgräbern aus vorrömischer Zeit ist einmalig in der Pfalz- eine archäologische Sensation vor den Toren der Stadt.
Wir wissen allerdings sehr wenig über das gesellschaftliche Leben dieser „Pfalzkelten“, über ihre Religion und ihre Mythologie. Um darüber einiges in Erfahrung zu bringen, müssen wir uns anderen keltischen Stämmen nähern über die wir literarische Überlieferungen besitzen. Wir können davon ausgehen das keltische Völker in Südfrankreich, in England und vor allem in der Bretagne wohl die gleichen gesellschaftlichen und sozialen Strukturen hatten, wie ihre Verwandten im Pfälzerwald. Mit wenigen Abweichungen haben dies Ausgrabungen sowie römische und griechische Überlieferungen bestätigt.

hukwa

Mittwoch, 9. Februar 2011

Alte Waldberufe - Der Harzbrenner

Seit Urzeiten galt Baumharz als begehrtes Handelsobjekt. Schon 4000 v.Z. balsamierten die Ägypter ihre Mumien damit ein, und in der Antike musste es sogar als Zahnersatz herhalten.

In unseren heimischen Wäldern ist die Kiefer der ergiebigste Harzlieferant. Dieses Baumharz wurde in den sogenannten „Harzöfen“ oder „Pechhütten“ gewonnen. Heute Erinnern noch viele Flurnamen an diese alte Handwerk. In einer Grube wurden Kiefernstämme ähnlich wie bei der Holzkohlegewinnung im Kohlenmeiler, aufgeschichtet und gebrannt. Solche „Pechmeiler“ fand man im Pfälzerwald sehr oft vor. Erst gegen Ende des 17.Jahrhunderts trat eine einfachere Methode der Harzgewinnung an die Stelle der Harzöfen. Man begann damit das Harz direkt vom Baum abzuzapfen. Die Harzöfen und Pechmeiler verschwanden und übrig blieben Flurnamen wie „Harzofen“. Professor Ernst Christmann hat in seinem volkskundlichen Werk „Die Siedlungsnamen der Pfalz“ 46 Flurnamen die sich auf die Harzbrennerei beziehen in der Pfalz nachgewiesen. Neben der Kiefer war es die Fichte, damals auch Pechbaum genannt, die zu den begehrten Harzbäumen gehörte. Das Harz der „Pechtanne“ wurde als gelbes oder weißes Pech bezeichnet.

In den Harzöfen wurde das Baumharz weiterverarbeitet mit Dampf destilliert zu Terpentinölen und nichtflüssigem Harz (Kolophonium), das beispielweise zur Herstellung von Lacken, Firnissen, Papierleim und Wagenschmiere diente. Gekochter Fichtenharz war lange Zeit ein begehrtes Mittel zum auspichen der Bierfässer (Fasspech). In alter Zeit gab es in Kaiserslautern eine Menge Brauereien und der Bedarf an Fasspech war recht groß.

Sogenannte „Harzkrämer“, zogen durch die Gegend und verkauften ihre Erzeugnisse an Bauern, die das begehrte Pech für ihre Fuhrwerke benötigten. Der Ruf „Wägenschmier“ war in alter Zeit ein bekannter Ruf in den Dörfern. Horst Seelbach schreibt in der Broschüre Natur und Kultur: „Noch um die Mitte des 19.Jahrhunderts kam der „Harzhannes“ aus dem Holzland (Pfälzerwald) mit seinem Esel, dem Harzesel, an dem links und rechts ein Fässchen hing, und bot seine Ware feil. Es ist glaubhaft überliefert das Wattenheimer gerade zu einen „Welthandel“ betrieben und nach Überlieferung der Familie Bügler auf ihrer „Karschmierdur“ sogar bis nach St.Petersburg kamen“.

Auf Erzhütten im Reichswald bei Kaiserslautern gingen Harzbrenner bis ende des 19.Jh. ihrem Gewerbe nach.

In der Broschüre „der Stadtwald Kaiserslautern“, lesen wir: „1581 verfügt Pfalzgraf Johann Casimir, das im Reichswald keine geraden Kiefern mehr zu Kienbäumen abgehauen werden dürfen, dafür solle den Bürgern die Stöcke überlassen werden“. In einem Stadtratsprotokoll von 1737 aus Kaiserslautern hören wir von der Versteigerung von zwei städtischen Harz- und Rußhütten, die Kaspar Roche für 18 bzw. 28 Gulden pachtete. In der folgenden Zeit gab das Harzen oft Anlass zur klage. Deshalb übernahm die Stadt Lautern 1781 das Harzernten in Eigenregie; der Posthalter Didier übernahm die gesamte Ausbeute zum Preis von 4 Gulden 14 Kreuzer für das Fass Harz.

Im Reichswald war im 18.Jahrundert ebenfalls eine Harzhütte im Betrieb. Sie stand am „Harzhübel“ der heute zum Stadtgebiet gehört. Der städtische Harzofen, nach dem heute eine Annexe benannt ist, bestand bis 1875. Die Geschichte dieser Harzöfen hat der Kaiserslauterer Heimatforscher H. Friedel in seinem Buch „Kaiserslautern einst und jetzt“, geschildert.

hukwa

Dienstag, 8. Februar 2011

Alte Waldberufe - Der Pottaschbrenner

In alter Zeit war es fast allein der Wald der die elementaren Bedürfnisse des Menschen zu befriedigen vermochte. Eine große Anzahl Waldberufe gab es in früherer Zeit. Holzhauer, Köhler, Schindelmacher, Holzknechte, Besenbinder, Harz- und Pottaschbrenner um nur einige zu nennen.

Bis ins 19. Jahrhundert hinein war die Pottasche ein unentbehrlicher Rohstoff für die verschiedensten Gewerbe. Flurnamen wie Eschebel- Loch, Pottaschäcker und Pottaschweiher zeugen uns heute noch von diesem alten Handwerk. Der Pottaschbrenner oder Pottaschsieder war unter anderem ein Zulieferer der Glashütten und Seifensiedereien.

Roland Paul berichtet in „von alten Berufen im Pfälzerwald“…und noch zu beginn des 19.Jahrhunderts spielte die Pottasche als Handelsgut im Raum Kaiserslautern eine beachtliche Rolle“.

Pottasche ist ein grauweißes alkalisches Salz, das aus der Holzasche ausgelaugt wird. Dabei werden die Kalisalze und etwas Kieselsäure gelöst. Durch Abdampfen und Glühen gewinnt man eine Salzmasse, die sogenannte Pottasche. Besonders begehrt war die Buchenpottasche. Die Asche wurde in großen Kesseln, sogenannten „Pötten“, gewonnen. Daher der Name Pottasche. Neben der Glas und Seifenherstellung, benötigte man Pottasche zur Herstellung von Farben aber auch die Bleicher Garnkocher, Salpetersieder, Schmelzer und Gerber brauchten sie. Das Tuchgewerbe benötigte sie zum Waschen der Wolle. Schon im Mittelalter besaß die Stadt Kaiserslautern ein sehr bedeutendes Tuchgewerbe, das sich schließlich im 18. und 19. Jahrhundert zu einer Industrie entwickelte. Es ist daher also nicht verwunderlich das dass Pottaschenbrennergewerbe in Kaiserslautern und den umliegenden Walddörfern recht gut florierte.

Erich Bauer und Volker Christmann berichten uns in der Broschüre „der Stadtwald Kaiserslautern“, …“noch im Jahr 1849 zählte man in der Rheinprovinz 229 Pottaschesiedereien. Auch in den Kaiserslauterern Ratsprotokollen lesen wir des öfteren von diesem Gewerbe. So bittet 1657 der Hagenauer Bürger Lorenz Rosenzweig, ein Pottasche und Harzbrenner, ihn in Lautern wohnen zu lassen, um hier sein Gewerbe ausüben zu dürfen. Im Jahr 1707 beklagen sich die Lauterer Bürger darüber, dass der Oberförster den Pottaschbrennern erlaubt habe, „ganze Walddistrikte abzuhauen“.

1774 hatte der Bürger Compter die Pottaschbrennerei im Stadtwald gepachtet. Für jeden Zentner hergestellte Pottasche musste er 1Gulden 20Kreuzer bezahlen. Bei der Abrechnung ergaben sich Differenzen. Der Brenner gab 40 Zentner, der Forstmeister aber über 80 Zentner an. 1780 wurden mehrere Einwohner angezeigt, weil sie im Stadt- Stifts- und Reichswald ohne Erlaubnis Asche gebrannt hatten. Sie wurden zu Turm und Geldstrafen verurteilt. Kurfürst Johann Wilhelm klagte 1711, dass durch „das Aschen- Brennen in denen Wäldern durch die Pottaschensieder nicht geringer Schaden geschiehet, in dem dadurch…viele gesunde, meistens aber unten am Stamm faul beschädigte Buchen, Mastbäume durch dieses lose Gesindel angesteckt und verbrannt, ja öfters ganze Revieren durch das Feuer verderbet werden… Er erließ ein Gesetz zur besseren Kontrolle der Pottaschbrennerein.

Viele Haushalte in denen „Buchenes“ im Ofen gebrannt wurde, stellten ihre eigene Pottasche her. Zu Zeiten unserer Urgroßmütter war der sogenannte „Laugenständer“ ebenso unentbehrlich wie das Schuheisen, der Milchtopf oder das mit glühender Kohle gefüllte Bügeleisen. Dieses hölzerne Gefäß diente dazu die am Herd abfallende Asche als Waschmittel zu sammeln. Für die einfachste Art, diese Waschlauge zuzubereiten, übergoss man die gesamte Asche mit lauwarmen Wasser und rührte es immer wieder fleißig um. Nach einigen Stunden siebte man die überstehende Flüssigkeit durch ein Tuch und schon hatte man ein Wasch und Scheuermittel.

Ein interessantes Zeitzeugnis zur Pottaschbrennerei hinterließ uns der Pfälzer Heimatforscher Lukas Grünenwald aus dem pfälzischen Dembach. In seinen Jugenderinnerungen berichtet er:

„Diese Pottaschhütten waren, kleine viereckige Steinhäuser mit einer Stube und Küche und Holzlage darüber. In der Küchenecke stand ein großer, runder Eisenkessel im gemauerten Herd zum Pottaschsieden und ein Kamin stieg von da über das Satteldach empor. In den drei Wänden dem Eingange gegenüber, waren kleine Fenster. Die nötige Holzasche wurde in allen Dörfern weithin gekauft und in Säcken auf Handkarren und Wagen auf den damals noch schlechten Strassen oft mühsam heimgebracht. In der Hütte wurde sie zuerst zuerst kalt beigesetzt d.h. in grauen Weidenkörben, die innen mit Leinwand ausgeschlagen waren und über Laugebütten standen, mit Bachwasser übergossen und durchsickert, bis sie ganz ausgelaugt war. Die Mutterlauge wurde dann im Herde so lange gesotten, bis nur noch die weiße, kostbare Pottasche übriglieb, die dann um teuren Preis an Glashütten verkauft wurde.“

hukwa

Literaturhinweise:

Helmut Seebach- Altes Handwerk und Gewerbe in der Pfalz (Quelle:Wikipedia).

Erich Bauer und Volker Christmann – Der Stadtwald Kaiserslautern.

Roland Paul: Von alten Berufen im Pfälzerwald- in Der Pfälzerwald- Porträt einer Landschaft.

Montag, 7. Februar 2011

Ruf der Kindheit

Wie die Krähen tanzen in der Blutbuche
Wie aus Moosen und Farnen geboren
Wie vom Lied des Dompfaffs getragen
Aus dem Murmeln der Buchen und Eichen
Steigts wie Nebel aus Waldesschluchten
Aufwärts in die Lüfte mein einsames Lied.

Wenn der erste Stern schon erbleicht
Und die Strophe der Amsel leicht
Noch vom ersten Lichte verborgen
In der Leichtigkeit des frühen Morgen
Wird mein Lied in die Welt getragen
Wie der Waldunke rufen und klagen.

Wie die Weide harrt am Moore
Ganz in Traum und Raum vergessen
Tue ich hier im Wald ermessen
Die Stimme die ich einstmals war.
hukwa

Krähenbuche vor meiner Haustür

Sonntag, 6. Februar 2011

Heimatkunde und Geschichtsbewusstsein

Für die meisten Menschen hat Heimatkunde oft etwas altbackenes und spießiges an sich. Nun, gewiss kann dem so sein, es kommt einfach darauf an wie wir uns der Heimatkunde nähern.

Ein Beispiel: In den vergangenen Tagen habe ich einige Artikel über alte Waldberufe im Pfälzerwald geschrieben. Diese Serie ist sehr heimatkundlich verfasst, schließlich fällt dies ja auch in das Gebiet der Heimatkunde. Es passiert, dass mir beim kritischen überarbeiten solcher Artikel sehr schnell auffällt in welch tiefer Armut und Ausbeutung jene Menschen lebten und ihr ausgesetzt waren, Menschen die Berufe wie Holzhauer, Harzbrenner, Köhler oder Holzschuhmacher ausübten. Dann bin ich ganz schnell bei der Jahreszahl 1832, nämlich in jenem Jahr als das Hambacher Fest stattfand. Zum ersten Mal wurden Fahnen in Schwarz-Rot-Gold geschwenkt und die Teilnehmer forderten die Einigung Deutschlands und sprachen sich für ein neues Europa von vereinigten und friedlichen Volkern aus. Diese Demonstration in der Pfalz steht für die Einheit Deutschlands und für die Wiege der europäischen Demokratie, deren Geist durch Pfälzer Auswanderer in die „neue Welt“ getragen wurde und somit auch die amerikanische Demokratie aufs Tiefste beeinflusste. Als Pfälzer kann ich das Hambacher Fest aus den Blickwinkeln der Heimatgeschichte als auch der Weltgeschichte betrachten. Es ist letztendlich nur eine Frage des Bewusstseins. Ein Bewusstsein das heimatliches geschehen mit dem Geschehen der Weltgeschichte verbinden kann, ist ein kosmopolitisches Bewusstsein.

Für den großen deutschen Geschichtsphilosophen Georg Friedrich Wilhelm Hegel, wird Weltgeschichte als „Fortschritt im Bewusstsein der Freiheit“ begriffen.

Die Geschichte ist bei Hegel also nichts anderes als die Entwicklung der Freiheit – „ein Fortschritt den wir in seiner Notwendigkeit zu erkennen haben“.

So ist auch die Beschäftigung mit der Heimatkunde eine Beschäftigung mit der Weltgeschichte. Denn Heimatkunde beruht durch die Erfahrung des interessierten Einzelnen auf diesem Gebiet zu seinem Lebensraum die dieser als Heimat betrachtet. So schließt Heimatkunde fast alle Wissensgebiete mit ein, nicht nur Geschichte sondern auch Kunst, Religion, Philosophie und Politik. Heimatkunde ist keine Einzelwissenschaft in diesem Sinne, sondern sie zieht die Einzelwissenschaften heran um sie zu einem Ganzen zu vervollständigen, ähnlich einem Gesamtkunstwerk. Sie wendet sich der heimatlichen Umgebung zu, aus der ja für den heimatkundlich Interessierten die Impulse hervorgehen, aus denen er erkennt das Heimatgeschichte auch immer Weltgeschichte ist. Jener Ort und jene Landschaft die wir als Heimat bezeichnen und mit der wir uns heimatkundlich beschäftigen ist ja ein Teil vom Ganzen, von jenem Ganzen, das Hegel als „Weltgeist“ bezeichnete. Lassen wir uns von diesem Ausdruck „Weltgeist“, nicht befremden. Hegel meinte damit weder etwas gespensterhaftes noch esoterisches er meinte das direkte Gegenteil, nämlich – das Vernünftige. Jenes Vernunftprinzip das im Gang der Geschichte „zu sich kommt“.

Ich selbst sehe in der Beschäftigung mit der Heimatkunde diese auch als Geburtshelferin für lebendige Weltgeschichte. Heimatkunde besitzt etwas lebendiges, sie ist nicht abstrakt, denn der Heimatkundler, bewegt sich ja täglich durch diese lebendige Geschichte in dem er den Zeugnisseen dieser Geschichte täglich im Ort und der Landschaft in der er lebt gegenübertritt.

Das viele Schüler heute Geschichte als langweilig empfinden hängt zweifelsfrei auch damit zusammen das man das Schulfach Heimatkunde einfach abschaffte. Denn wie kann man den besser Kinder an ein kritisches Geschichtsbewusstsein heranführen als durch das Fach Heimatkunde?

Der heimatgeschichtlich Interessierte begegnet durch seine Beschäftigung mit der Kultur seiner Heimat dem was Hegel das „Ganze“ genannt hat. Nach Hegel ist ein richtiges Verständnis der „ganzen Geschichte“ nur möglich, wenn am wie oben bereits kurz erwähnt, erkennt, dass auch Kunst und Religion, Philosophie und Sozialwissenschaften kein zeitloses absolutes Reich bilden sondern sich in der (vor allem) Heimat – und Weltgeschichte entfalten und gegenseitig bedingen. Es besteht also eine Wechselwirkung von Heimatkunde und Weltgeschichte, denn alles beginnt schließlich im kleinem.

So möchte ich auch keineswegs unser heimatliches Schrifttum gegenüber historischen Büchern geschmälert sehen. Für mich steht August Becker neben einem Toynbee oder Spengler. Aber auch die Beiträge interessierter Laien und Heimatforscher, Artikel aus Tageszeitungen, Broschüren und Ortschroniken können den Geist Hegels atmen. Die „Weltgeschichte“ bildet das Hauptthema der Hegelschen Philosophie. Jeder Augenblick gewinnt sein Sein nur dadurch, das er das Sein des vorhergehenden in sich aufnimmt. Die volle Verwirklichung des objektiven Geistes vollzieht sich in der Weltgeschichte sagt Hegel.

Doch der Weg zur Geschichte überhaupt beginnt in der Heimatgeschichte, also in der Kunde über unsere Heimat.

hukwa

Freitag, 4. Februar 2011

Naturkunde und Heimatkunde

Denn Schlüssel für ein authentisches Leben habe ich immer in der mich umgebenden Natur gesucht und auch gefunden. Die Natur ist mir Lehrerin und Philosophien. Ich beschäftige mich auch seit meiner Jugend mit Heimatkunde tut man dies authentisch erhält die Heimatkunde etwas kosmopolitisches. Um die Wunder der Natur zu entdecken muss ich nicht unbedingt in ferne Länder reisen, ich begnüge mich gerne mit der Flora und Fauna vor meiner Haustür. Schließlich ist das Wunder des Kosmos in jedem Gänseblümchen, in jeder Bewegung der Ameisen, die meinen Garten bewohnen und in den Rinden der Waldbäume präsent.
So erlebe ich auch Geschichte vor meiner Haustür, eben als Heimatkunde. Ich muss nicht nach Stonehenge oder ins Tal der Könige, Frühgeschichte finde ich auch in meiem heimischen Pfälzerwald.
Gegen 800 vor Chr. haben die Kelten in meinem Geburtsort schon Eisen verarbeitet. Und eines der bekanntesten Fürstengräber der Keltenzeit, wurde etwa 20 Kilometer von meinem Heimatort entfernt entdeckt. Um 1500 v. Chr., in der Bronzezeit, lebten bereits keltische Volksstämme in unserer Gegend. Die Kelten kamen in kleinen Gruppen in diese Gegend. Ihre Zivilisation überlieferte uns zahlreiche Tongefäße und Gegenstände aus Metall unter anderem den wunderschönen Goldarmreif eines keltischen Häuptlings, nebst anderen Schätzen. Gefunden wurden sie im "Fürstengrab von Rodenbach".
Natur, Heimatkunde, Philosophie, Kunst und Poesie ergänzen sich letztendlich in einem Leben das authentisch gelebt wird. Natürlich soll man Heimat und Heimatgeschichte auch kritisch sehen, wie ich eben Natur ökologisch sehen muss.
hukwa