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Sonntag, 20. Dezember 2020

Emily Dickinson`s "Vermächtnis"

Emily Dickinson (1830-1886) ist für mich die größte Dichterin Amerikas. Ein Leben in Einsamkeit und Abgeschiedenheit, nur dem Schreiben, der Natur und dem metaphysischen Denken ergeben, tat sie dass was eine wirkliche Dichterin und Dichter tun sollen: Intensiv Leben. Mit ihrem großen schwarzen Hund an der Seite durchwanderte sie die Natur in der Umgebung ihres Wohnortes - immer dem Schöpfungsalphabet lauschend und ihr Werk im Blick. Zeit ihres Lebens veröffentlichte sie mit Ausnahme einer Handvoll Gedichte, keinen ihrer Texte. Letztendlich war ihr Dasein ein großes Rätsel wie dass Dasein von Dichtern sein soll: Geheimnisvoll! 
"Vermächtnis" ist eines ihrer schönsten Gedichte: 
Vermächtnis 
"Wenn die Rotkehlchen wieder kommen, 
Und ich sollte nicht mehr leben, 
Mußt du dem, mit dem roten Kranz 
Ein Gedächtniskrümmchen geben.  
 
Wenn ich dir nicht danken kann, 
weil ich ja schlief ein, 
Weißt du noch: versuchen werd ich`s 
Mit meinem Mund von Stein. 
Emily Dickinson 
hukwa 

Hinweis: Emily Dickinson: Gedichte - Ausgewählt von Joyce Carol Oates; Fischer Taschenbuch.

Freitag, 25. September 2020

Welt hinter der Welt

Mit den Jahren 
wächst die Bibliothek 
ich bewege mich hinein 
laufe durch ein Labyrinth 
der Sätze und Wörter 
doch sie ist mehr 
Schutzmauer gegen das Profane 
das flackernde Licht 
das durch die Fenster dringt 
die Zweisamkeit mit den Büchern 
eine Welt 
hinter der Welt. 
hukwa 

Sonntag, 22. März 2020

Lektüre in der Zeit des inneren Exils

Für viele Menschen wird diese Krisenzeit zu einer Art von innerem Exil. Der Griff ins Bücherregal sollte daher nicht nur der Langeweile wegen geschehen, ein gutes Buch kann auch Arznei für Geist und Seele sein. In diesen Zeiten lese ich Jean Paul Sartre "Das Sein und das Nichts" und schau auch mal in die "Pest" von Albert Camus. Um den nackten Tatsachen dann für ein paar Stunden zu entfliehen lasse ich mich von den Gedichten Mallarme`s ins Reich der Phantasie entführen.
hukwa

Mittwoch, 31. Januar 2018

Melmoth der Wanderer

Die fiktive, romanhafte Gestalt von Melmoth dem Wanderer hatte für mich schon immer etwas faszinierendes. Charles Robert Maturin ist mit diesem Roman eine kunstvolle Komposition aus Reflexion und Handlung gelungen. Melmoth dieser auf ewig verdammte Wanderer, in dem der ewige Jude genau so tief steckt wie Mephistopheles und Faust irrt 150 Jahre ruhelos durch Europa. Auf der Suche nach einer Seele die bereit ist sein Schicksal auf sich zu nehmen. Nur dann kann der Bann gebrochen werden der auf ihm lastet, seit er in jungen Jahren einen Pakt mit dem teufel eingegangen ist. Melmoth dieser ewige, junge Greis durchwandert alle Länder, sah alle Verliese und Kerker dieser Welt, trifft Menschen jeglicher Art, sein Blick kann töten doch trotz seiner magischen Kräfte ist er ein unglückliches zerrissenes Wesen. Nur die liebe zu dem Mädchen Immalee kann ihm die erhoffte Erlösung bringen. So mächtig Melmoth gegen den normalen Menschen ist so ist er letztendlich nur der Sklave seiner eigenen Verdammnis. Der ganze Roman ist eine labyrinthafte Allegorie auf das menschliche Dasein. Ein Buch das sehr lesenswert ist, wohl das Hauptwerk der schwarzen Romantik. 
 
hukwa

Dienstag, 30. Januar 2018

Sucht und Flucht des Dylan Thomas

Gestern den Tag über Dylan Thomas gelesen. Ich lese gern diese etwas dunkle Poesie durch die dennoch immer ein frischer Wind zu wehen scheint. Dylans Gedichte sind unrealistisch und wirklichkeitsfremd doch voller Symbolik mit der nötigen Portion Phantasie, wie Gedichte eben sein sollen oder - wie Poesie sein soll- Dylan ist Poet. Seine Verse entspringen ganz der Eigenwelt dieses Dichters. Was hat Dichtung schließlich mit der uns umgebenden Realität zu tun? Gute Poesie ist letztendlich immer eine Flucht vor dieser Realität ist sie doch ein Hinabtauchen in tiefere Gefilde des Seins und genau das hat Dylan Thomas praktiziert. Als Dichter und Mensch war er immer auf der Flucht vor sich selbst und vor dem Whisky, denn er aber überall fand, doch gerade diese Flucht und Sucht waren die Samenkörner seiner Poesie.
hukwa

Freitag, 19. Mai 2017

Das Imperium der Schundliteratur

Was die Menschen heute lesen ist fast vorwiegend Schundliteratur, jedenfalls aus meiner Sichtweise. Dann liest man in einem Zeitungsartikel "es wurde noch nie soviel gelesen wie heute". Für den "Schund" gibt es eine riesige Industrie, eine Verdummungsindustrie! Würden die Menschen ein wenig mehr kritische Literatur lesen, würden sie die Welt auch ein wenig anders sehen und ein wenig mehr Mitdenken. Das Imperium der Schundliteratur gestaltet schließlich auch unsere Gesellschaft mit. 
hukwa