Kaspar Hauser
Ein Theaterstück von Hans Wagner
Vor-Notiz:
Als Kaspar gefunden wird,überlässt man den modernen Medien seine Erziehung . Er lernt die Welt über die 32-Programme des TV- kennen .Die Geschichte des EINEN Kaspar H. wird zur Geschichte TAUSENDER Kaspar Hauser`s , die unsere Gesellschaft bevölkern . In einer Nervenheilanstalt trifft derfeinfühlige,sensible,naive Kaspar-auf sein GEGENSTÜCK den lebensbejahenden ,anarchistischen ,versoffenen,heruntergekommenen,dieseGesellschaft durchschauenden Dichter Baal .Für kurze Zeit wird Baal zum Erzieher Kaspar`s.
"Kaspar" ist ein experimentelles Stück-in seiner Ausdrucksform, soziale Wirklichkeit und zugleich gelebte Poesie,fern einer Kulturlandschaft in der Literatur,Film,Theater und Fernsehen ein Opfer jener Medienrevolution ist,die keinen Anspruch an Poesie und gelebte Kreativität mehr stellt-sondern sich im orgiastischen Konsumrausch ergibt.
Hans Wagner
Hauptstraße 33
67705 Trippstadt
hukwa@gmx.de
1.Szene:Die Bühne zur ersten Szene ist fertiggestellt.Die Schauspieler sind noch nicht auf der Bühne. Ein "Redner" in der Kleidung eines "Penners" tritt auf die Bühne und liest die Biographie von Kaspar Hauser dem Publikum vor :
"1828 tauchte in Nürnberg plötzlich ein junger Mann auf. Er konnte kaum sprechen ,und ein Brief gab Auskunft darüber ,wie ein Arbeiter ihn als Kind gefunden und in einem Keller eingesperrt gehalten hatte.Sein Name war Kasper Hauser.
Viele interresierten sich für den jungen Fremden und versuchten aus ihm ein brauchbares Mitglied der Gesellschaft zu machen. Kaspar lernte nicht nur schnell sprechen,denken und sich nach den Regeln der Welt zu verhalten,sondern auch zu-LÜGEN,zu-HASSEN und zu HEUCHELN.1829 wurde Kaspar am Kopf verwundet,aber der Täter wurde nie gefunden.Später-1833-kam er mit einer Wunde an der Brust nach Hause, an der er drei Tage später starb er.Sein Mörder wurde nie entdeckt,und dasGeheimnis seiner Geburt und seines Todes blieb ungelöst.Sein Grabstein trägt die Inschrift:Hier liegt ein Fremder,von Fremden ermordet."
Redner tritt ab Schauspieler betreten die Bühne.
BÜHNENBILD:Ein frischaufgeworfenes Grabmal mit Kreuz, darauf die Inschrift :"Hier liegt ein Fremder,von Fremden ermordet"
Die Schauspieler setzen sich um das Grab und sprechen über diese Tage und Zeiten (zu jeder Aufführung , spontanes,wirkliches Tagesgeschehen aus Politik +Gesellschaft:improvisieren).
Über die Brutalität und Trivialitäten in der Gesellschaft. HINTERGRUND-BÜHNENBILD:
düstere,verkommene Industriemetropole,rußigeSchornsteine,kaputteAutos,Grafittis(No-Future). Alles strömt Untergangsstimung aus.Nach dem Ende der Dialoge -unerwartete Rockmusik-(evt.-The Doors -The End).
Nach der Musik ,die von den Schauspielern stumm in "betender Haltung" angehört wird-kurzer Moment der Stille. Plötzlich springt ein Mann auf,stellt sich unter einen Baum, spricht das Gedicht "Tod im Walde"(von Berthold Brecht ),zwischen den Versen trinkt er in tiefen Zügen aus einer Branntweinflasche.
Baal spricht:"Freunde und Feinde , lasst mich ein Gebet sprechen für Kaspar (zeigt mit der Hand ,auf eine Frau ,die einen Säugling hält, spricht weiter.....) Unsere Werke in Stein gehauen, in Farbe gedruckt, auf`s Papier geschrieben, in Fleisch gestochen,mordent und liebend alles muss schließlich vergehen,alles geht ein in die Asche des Universums.
Unsere Lieder werden alle verstummen, die ewige Wiederkehr des Gleichen, fesselt uns an die Welt-aber was heißt das schon? -Sind wir auch schon gestorben-Du Wiedergeborener- Fahr fort zu singen!... Und nun hört mein Gebet für Kaspar":
"Und ein Mann starb im ewigen Wald
wo ihn Finsternis umbrauste.
Starb wie ein Tier im Wurzelwerk verkrallt
Starrte hoch in die Wipfel wo über den Wald
Sturm seit Tagen über alles saust .
"Wir tragen dich Heim mit dem Wind "
schworen die schauernden Freunde.
"Was tue ich wo alle gestorben sind?
Habe nicht Erde noch Geld noch Liebste noch Kind"
Das war`s nicht warum er so weinte.
"Morsch sind dir die Zähne im Maul.
Willst du nackt in ewiger Heide lungern?
Morsch ,sind Kleider ,Hirn und Knochen ,leer der Sack und tot der Gaul
Freude und Sonne ,Dir sind sie faul.
Warum willst du immer Hungern"?
Aber das war`s nicht warum er so schrie
lauter als Sturm ,der tief unten brauste.
Über allen Sturm und Woge schrie er lauter als ein Vieh.
Gott weiß ,warum er so grauenhaft schrie
dass es seinen Freunden grauste.
"Unnütz bist du und wild wie ein Tier.
Eiter bist du ,Dreck Du ,Lumpenhaufen!
Sonne frisst du in eckler Gier."
"Hol der Teufel alle Sünde.Oh trotz Hunger und Geschwür:
Leben will ich ! Eure Sonne schnaufen!"
Etwas war es was kein Freund verstand:
Dies im Wurzelwerk verderben ....
Keine Erde hielt die schwache Hand:
"Draußen lebt in Sonn und Wind das Land
und ich muss tief unten sterben."
Ja, so hielt ihn dies elende Leben noch , dass
er den Leichnam in die Erde presste .
Dann gen morgen fiel er tot ins dunkle Graß.
Sie begruben ihn zitternd vor Ekel und Hass,
in des Baumes dunkelstem Geäste.
Und sie ritten stumm aus dem Dickicht.
Spähten um noch einmal aus der Weite.
Fanden den Grabbaum und Fastens nicht.
Der Baum war voller Licht.
Und sie bekreuzten ihr junges Gesicht
und sie ritten in Sonne und Heide.
Baal nimmt einen tiefen Schluck aus der Flasche und sagt:"Lebe wohl, mein Freund Kaspar!!"
Ein Priester springt auf Baal zu , sagt empört:"Schweigen sie jetzt sie lästern Gott!"
Baal ekstasisch erhebend halbtrunken,stößt den Priester wie eine Feder zur Seite und spricht laut:"Pah ,schweig du scheinheiliger ,Wasserprediger,steht nicht geschrieben:Ich bin nicht gekommen ,Frieden zu bringen ,sondern das Schwert. Ich bin gekommen ,den Vater vom Sohn zu trennen , denn Bruder gegen den Bruder zu setzen..."
Priester am Boden liegend:"Frevler du,Gottes lästerer..."
Baal stellt einen Fuß auf den Hals des Priesters und nimmt einen Schluck aus der Flasche...
"Schweig ,du falscher hinterlistiger Pharisäer, gelobt sei was hart macht, mein ist die Rache, so spricht Dein Gott! Doch ich sage dir Baal flieht vor dem Tod ins Leben ...Meine Seele ist das Sonnenlicht, das in den Diamanten bleibt, wenn er in das unterste Gestein vergraben wird . Und das Ächzen der Kornfelder, wenn sie sich unter dem Wind wälzen . Und das funkeln in den Augen zweier Insekten , die sich fressen wollen.
Der Priester noch immer auf dem Boden liegend spricht zu Baal:
"Sie lästern Gott . Sie sind ein Tier . Sie sind das Tier . Das URTIER!
Ein schmutziges , hungriges Tier , das schön ist und gemein . Eine Plage des Himmels . Aber sie werden sterben ."
Baal ekstasisch :"Was ist das Leben ? Ich habe es bezahlt . Teurer als ihr alle . Darum will ich es haben . Es ist nur ein Rest . Wer hat mehr gelitten als ich um ein bisschen Freude . Ich habe immer aus Eigenem drauf gezahlt , bekam nie etwas geschenkt . Ich bin im Dreck gelegen vor der Reinheit , und für die Schönheit habe ich mich zum Krüppel schlagen lassen müssen . Sie haben mich so lange geprügelt , das ich jetzt eine Hornhaut habe , hinter der ich sogar ab und zu sogar wieder zartfühlend sein kann .
Wohl an , ein neues Wandern fängt an !"
ENDE DER ERSTEN SZENE
2. SZENE: HINTERGRUND: eine düstere Stadtlandschaft. Ein Morgen in der Innenstadt.(Fußgängerzone) Menschen, bepackt mit Einkaufstaschen, im Konsumrausch versunken, eilen vorbei. Bettler und Obdachlose, stehen ,liegen, sitzen trunken und bettelnd umher. Unter ihnen auch Baal, steht groß, ekstatisch sprechend unter ihnen (Dialog Baal...).In der Mitte der Bühne, ein junger langhaariger Mann, steht Stumm und still, ein Schild in der Hand, darauf steht "Kaspar Hauser". Die Bettler haben ebenfalls Schilde allerdings um den Hals hängend, vor sich auf dem Boden liegend, darauf sieht geschrieben...,"Bitte um milde Gabe", "Bin Obdachlos", "Ohne Arbeit" u.s.w. Die Kleidung der Leute im Stil der Gegenwart. Nur Kaspar trägt die traditionelle Kleidung die man 1830 trug. Irgendwann wird jemand auf Kaspar aufmerksam. Spricht ihn an. Kaspar schweigt. eine Gruppe neugieriger Menschen schart sich um Kaspar. Die Leute sprechen durcheinander. Dann bemerkt man das mit Kaspar "etwas nicht stimmt ". Zwei Sanitäter und eine Psychologin tauchen auf, nehmen K. mit. Jetzt rückt Baal wieder in den Vordergrund . ER steht vor den Pennern und Obdachlosen, die Branntweinflasche mal in der Hand mal in seiner Manteltasche ,immer wieder nimmt er mal einen Schluck aus der Flasche. Dann spricht er laut zu den Pennern und Obdachlosen: Baal spricht mit seiner ekstatischen Art:"Schämt ihr euch nicht? Gesindel! Was bettelt ihr jene an die euch verachten?Ein Haufen Feiglinge seid ihr, habt ihr keinen Stolz in euren leeren Bäuchen? Warum nehmt ihr euch nicht JENES um das man euch betrogen hat?" Ein Bettler (liegend) gibt Antwort: "Halt dein Maul Baal, auch Du wirst die Macht der Gesellschaft noch zu spüren bekommen, sie wird deine Feindin werden, die dich erdrückt."
Baal lachend, einen kräftigen Schluck trinkend, spricht:"Du armseliges verkommenes Subjekt, ich verachte dich, wie ich diese Konsumsüchtigen Otto-Normalis verachte! Ich lebe von Feindschaft,mich interessiert alles soweit ich es fressen kann.Töten ist keine Kunst.Aber Leben, Widerstand und Auffressen!! Aus den Hirnschalen meiner Feinde ,in denen ein schmackhaftes Hirn einst listig meinen Untergang bedachte, trinke ich mir Mut und Kraft zu. Ihre Bäuche fresse ich auf und mit ihren Därmen fessle ich jene die ich nicht auffresse. Mit ihrem Fett schmiere ich meine Schuhe, so dass sie beim Freudentanz nicht drücken und nicht knarren bei der Flucht. Ich habe keine Heimat zu verteidigen. Mein Haus trage ich mit mir. Ich befreunde mich mit dem Tod. Mit der Not hure ich. Dass ich allein bin ist mein Vorteil. Ich glaube an kein Fortleben und bin aufs Hiesige angewiesen. Die Hauptsache ist, das etwas lebt". Baal nimmt wieder einen großen Schluck. Penner antwortet:"Großmaul". Baal wird zornig und aggressiv, tritt schreiend sprechend auf den Penner ein, die anderen Penner eilen ihrem Freund zur Hilfe. Baal schlägt brutal alle nieder, dann spricht er:(Alle liegen auf dem Boden jammernd, B. setzt sich zu ihnen)" Ich bin müde Freunde doch hört mein Gedicht hört das Lied vom großen Baal":
Als im weißen Mutterschoße aufwuchs Baal
war der Himmel schon so groß und fahl
jung und nackt und ungeheuer wundersam
wie ihn Baal dann liebte als Baal kam.
Und der Himmel blieb in Lust und Kummer da
auch wenn Baal schlief, selig war und ihn nicht sah:
nachts er violett -und trunken Baal
Baal früh fromm,-er aprikosenfahl.
In der Sünder schamvollen Gewimmel
lag Baal nackt und wälzte sich voll Ruh:
nur der Himmel, aber immer Himmel
deckte mächtig seine Blöße zu,
Zu den feisten Geiern blinzelt Baal hinauf
die im Sternenhimmel warten auf den Leichnam Baal.
Manchmal stellt sich Baal tot. Stürzt ein Geier drauf
speist Baal einen Geier stumm zum Abendmahl.
Unter düstern Sternen in dem Jammertal
grast Baal weite Felder schmatzend ab.
Sind sie leer, dann trottet singend Baal
in den ewigen Wald zum Schlaf hinab
Und wenn Baal der dunkle Schoß hinunterzieht:
was ist Welt für Baal noch?Baal ist satt.
Soviel Himmel hat Baal unterm Lid
dass er tot noch grad g'nug Himmel hat
Als im dunklen Erdenschoße faulte Baal
war der Himmel noch so groß und still und fahl
jung und nackt und ungeheuer wunderbar
wie ihn Baal einst liebte, als Baal war
Baal schläft ein.Musik ertönt ( STONES Sympathie for the devil).Als B. wieder erwacht ist er in der Nervenheilanstalt
ENDE DER ZWEITEN SZENE
3.Szene:Der" Redner" erscheint , zeigt dem Publikum ein Schild darauf steht:
"Kaspars soziale Geburt ."
Verschwindet wortlos. Bühnenbild:Psysatrische Klinik groß geschrieben. Auf der Bühne Tisch mit zwölf Stühlen. Auf dem Tisch ein Fernseher. Davor sitzt Kaspar mit der Fernbedienung in der Hand. Das TV steht so das es das Publikum nicht sehen kann. Kaspar schaltet schnell und hektisch alle Programme durch. Ein Psychiater und eine Psychologin tauchen auf. Setzen sich zu Kaspar, reden miteinander, Kaspar schaut gebannt ins Fernsehen und beachtet sie nicht. Psychiater spricht:"Sehen sie Kollegin, unseren Kaspar. Als er unter uns kam, bedarfte es keine Drohungen keine Mahnungen, um ihn zur Ordnung anzuhalten. Sauberkeit war ihm eine höchst Schätzenswerte Eigenschaft.Unvereinlichkeit er füllte ihm mit Abscheu. Seine Dankbarkeit war spontan. Des Rachegefühls war er nicht fähig.Heuchelei lehnte er ab. Jedem begegnete er offen und ohne Argwohn. Er tat, was man ihm befahl. Und nun ? Kollegin seine Tugendenverkehren sich ins Gegenteil, vielleicht sind wir gerade dabei ihn zu kriminallisieren? Kehrt sich nicht alles ins Gegenteil um? Fleiß wird zur Faulheit,Dankbarkeit zu Undank, Keuschheit zu Amoralität und Lasterhaftigheit? Ich es war ein Fehler, eine 32-Programm-Fernsehtherapie mit Kaspar zu beginnen!"
Psychiater steht auf , lässt Kaspar und Psychologin allein. Psychologin spricht auf Kaspar ein: "Nun Kaspar, hast du im Fernsehen die Welt schon ein wenig kennengelernt?" keine Antwort. "Wie fühlst du dich heute?" Schweigen. Kaspar schaut gebannt auf den Bildschirm . Psychologin schaut kritisch. Schaltet den Fernseher aus sagt streng :"Gut Kaspar, dann eben die altbewährte Methode."Sie zeigt Kaspar Karten mit Symbolen, z.B. ein Haus, ein Auto, ein Flugzeug. Bei dem Bild Flugzeug, deutet Kaspar das Fliegen mit den Händen nach, bei dem Bild Auto brummt Kaspar wie ein Motor. Psychologin schockiert :"Oh, Gott, welch primitiver Rückschlag !" Sie zeigt ihm das Bild eines nackten Mannes. Kaspar schaut und schweigt. Nun zeigt sie Kaspar das Bild einer nackten Frau. "Nun Kaspar, was ist das ? sprich es aus!"(eindringlicher Tonfall der Psychologin) "Lass es aus dir heraus." Kaspar wirkt erregt, unruhig, dann spricht Kaspar: "Fernsehfrau, Fernsehfrau"
Psychologin fragend: "Fernsehfrau , was ist das?" Plötzlich springt Kaspar auf , fasst Psychologin am Busen, ruft "Fernsehfrau", beide fallen auf den Boden. Kaspar liegt auf der Psychologin. Er umarmt und küsst sie.Er wird immer heftiger. Psychologin: "Oh Oh, was tust du da Kaspar?"
Einige Zeit hört man nur das Stöhnen der Beiden. Dann spricht die Psychologin: "Was haben wir getan Kaspar???? Na ja, wir tun so als gehöre es zur Therapie! Aber du , Kaspar erzähle niemand davon." MUSIK
ENDE DER 3. SZENE
4. Szene . Bühnenbild: Wie 3. Szene , ohne TV . Psychologin, Kaspar, Baal und neun Obdachlose sitzen am Tisch. Insgesamt 12 Personen. "Redner" erscheint kurz, zeigt Publikum Schild mit Aufschrift : GRUPPENHERAPIE! Redner verschwindet.
Psychologin spricht: "Nun wer möchte als Erster etwas sagen? Vielleicht du Kaspar?......."
Baal, hämisch , unterbricht: " Was soll das Geschwätz, lassen Sie den armen Kerl in Ruhe, sehen Sie ihn an, was er braucht findet er nicht hier."
Psychologin spricht ruhig : "So wo findet er es dann?"
Baal wiederholend: "Nicht hier."
Psychologin: "Aha, unserem großen Dichter fehlen die Worte. Vielleicht..."
Baal unterbricht: "Pah, Dichter was weiß eine Psychotante wie Sie von Dichtung und Literatur?Was interessiert mich Dichtung und Literatur? Nie gab ich mich ihr hin , ich riss sie an mich wie ein Weib, schlief mit ihr wild, voller Ekstase und als ich nichts mehr für sie übrig hatte warf ich sie weg. Nicht das Wort war der Anfang. Im Anfang war die Tat. Wie die rote Fahne der Anarchie weht sie über meinen Gedichten. Leute ich sage euch, macht kaputt, was euch kaputt macht."
Psychologin:"Ihre Freunde sind da vielleicht anderer......"
Baal unterbrechend voller Hohn: "Freunde, Pah, nie war mir Freundschaft heilig, nie kettete Freundschaft meine Hände, das ist doch nur Moral- eine Lächerlichkeit...."
Psychologin:" Ist Ihnen überhaupt etwas heilig? Kennen Sie keine Ästhetik?"
Baal: "Heilig? Was soll mir schon heilig sein? Der warme Schoß einer Frau, ihre Möse, ihr weicher Hintern, das ist mir heilig, ich bin frei von Ästhetik, frei von konventioneller Belastung."
Baal zur Psychologin: "Schauen Sie sich an, die Langeweile ihres trostlosen Lebens, saugt Sie langsam auf. Kommen Sie mit mir und der Drang nach neuen Taten wird in ihren Körper wieder aufquellen. Darf ich Sie anfassen? Dann drücke ich meinen Lebenssaft in Sie hinein! Sie betäuben sich selbst mit Lethargie, sehen Sie mich an: meine Hände sind leer, doch mein Herz ist heiß mein Trieb nach Ihnen ist stark, kommen sie zu mir, allein um der Betäubung willen."
Psychologin empört sich, verlässt den Raum.
Baal laut sprechend: "Jetzt sind wir nur noch elf, der Judas hat uns verlassen, lasst uns unseren Ausbruch planen, nicht wir sind die Kranken, Sie sind die Kranken!! Habt ihr das kapiert?" Alle schweigen
Baal: "Idioten und Schwächlinge seid ihr, nichts besseres habt ihr verdient. Ich verschwinde von hier, du Kaspar kommst mit mir."
ENDE DER 4. SZENE
5. Szene: Bühnenbild: Großstadt, Baal und Kaspar in der Großstadt. Ein elendes Slumviertel. Erfüllt von Lärm, Brutalität, Abfall und Abschaum. Folgende Szenen spielen sich blitzschnell ab. Baal und Kaspar schauen zu.
An einem Fenster ein Schrei. Ein Mann und eine Frau ringen miteinander. Der Mann wirft sein Kind aus dem Fenster. Zur gleichen Zeit ersticht ein Mann einen Passanten, flüchtet mit dessen Geldbörse. Überall sitzen Bettler. Kaspar bleibt bei einem Bettler stehen, der zieht ein Messer und ersticht Kaspar. Baal eilt auf Kaspar zu, erwürgt den Bettler. Kaspar liegt in den Armen Baals, röchelt leise die Worte:" Warum?"
Baal leise voller Gefühl: "Weil du zu gut warst für diese dreckige Welt, Kaspar. Weil du Herz und Mitleid für deine Mitmenschen hattest."