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Sonntag, 6. November 2022

Der Bauer und sein altes Pferd

 Nichts löst so starke Erinnerungen aus als jene an die Landschaft der Kindheit. 
hukwa 
Ich habe ihn nie in einem Anzug gesehen, den alten Bauer aus meinen Kindheitstagen. Immer hatte er Strohhalme im Haar und das Hemd hing im Sommer voller Heublumen. Er war ein kleiner Bauer mit wenigen Feldern und Wiesen und einem wunderschönen braunen Arbeitspferd, mit dem ich früh schon Freundschaft schloss. Wenn er im Sommer das Heu nach Hause fuhr durfte ich hoch oben auf dem Fuhrwerk sitzen. Das Heu war mit der Gabel einfach auf den Wagen geworfen. Ich glaube heute denkt keiner mehr an den alten Bauer und sein Pferd und doch ist er fest veranker im Ortsgedächtnis meines Heimatdorfes. Doch niemand kann dieses Ortsgedächtnis noch abrufen. 
Sein Tagwerk, seine Jahreszeiten, seine Hoffnungen und seine Ängste, der ganze Mensch in seinem wurzelhaften Bauerntum, der täglich mit bedächtigen Schritten durch seine Wiesen und Felder strich, ist Teil meiner eigenen Geschichtlichkeit. Früh sah ich ihn im Frühling am Morgen das Korn in den Acker werfen. Da gab es keine Maschinen, keinen Traktor nur sein geliebtes Arbeitspferd. Im Stall stand neben der Kuh eine Ziege. Ein schwein gab es noch und Hühner. Geld war nicht besonders wichtig. Kostbarer war die innere Verbundenheit mit den Elementen der Natur. Wenn ich damals in meiner kindlichen Sprache zu ihm redete, spürte ich das Seine gedanken immer bei seinem bäuerlichen Tagwerk waren. Heute weiß ich das jene Kindheitserinnerungen an den Bauer und sein altes Pferd für mein Leben sehr prägend waren. 
hukwa

Sonntag, 23. Oktober 2022

Die zwei Leben des Alfred S.

Er sah nicht die dunklen Schatten die immer näher an ihn herankrochen. 
In Ketten wurde er aus seinem Hotel ins Gefängnis gebracht. Neun Tage lang war er mit einem Gefangenentransport unterwegs.  
Er hungerte und fror. 
Es war im November des Jahres 1920. 
Am 19.Februar 1921 eröffnete das Landgericht Münhen die Verhandlung gegen Alfred S. Die Anklage lautete auf Mord und Diebstahl. Auf der Anklagebank saß ein durchschnittlich bürgerlicher Mensch. Alles an ihm schien brav, nüchtern und sachlich. Nur eines unterschied Alfred S. von anderen: seine Augen, die merkwürdig farblos und leer erschienen. Ihr glanzloser Blick war wie ins Nichts gerichtet. Dieser unscheinbare Mann, mit den Augen die manchmal wie im Wahnsinn aufleuchteten um dann sofort wieder in Stumpfheit zurückfielen, war einer der bekanntesten Schriftsteller seiner Zeit. Seine Verhaftunhg hatte großes Aufsehen erregt. 
Am 9.März 1921 wurde Alfred S. zum Tode verurteilt und am gleichen Tag noch hingerichtet. Seine letzte Worte waren: Ich komme wieder! Einige Tage nach seiner Hinrichtung stellte man fest das er unschuldig war. Am 29.März 1921 erwachte der Richter der Alfred S. verurteilt hatte um Mitternacht aus dem Schlaf. Ein beißender Geruch hatte ihn aufgeweckt. Er schaltete die Nachttischlampe an und erschrak. Vor ihm stand Alfred S. Am nächsten Tag wurde der Richter in eine Nervenheilanstalt eingeliefert. Alfred S. soll noch neun mal Menschen erschienen sein die in seine Verurteilung eingebunden waren. Der letzte Mensch der ihn gesehen haben soll war sein Sharfrichter. Diesen fand man vor dem Fallbeil: Angeblich hat er sich selbst geköpft. 
hukwa